Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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Im Uebrigen ſcheinen dieſe beiden Damen wahre Prachteremplare von Wohlbefinden zu ſein. Man findet bei ihnen etwas ſo Reelles; große, grobgliederige Figu⸗ ren und wohlgebildete, üppige Geſichter. Eine kränkliche Phantaſie oder ein nervenſchwaches Gefühl hat wahr⸗ ſcheinlich niemals an ihrer Lebenskraft gezehrt. In ihren Zügen blühen zwar nicht mehr Jugend und Schönheit, aber doch Geſundheit und Kraft, und eine ſolche Schön⸗ heit hat auch ihre Reize.

Ganz daſſelbe könnte man von dem zur Geſellſchaft gehörenden Herrn ſagen, der gegenwärtig vor dem Spie⸗ gel zwiſchen den Fenſtern ſteht und beſchäftigt iſt, einen neuen Frack zu probiren. Bei ihm muß man jedoch trotz ſeiner ſehr ehrenwerthen Haltung eine etwas zu große Korpulenz tadeln. Seine Kinnwulſte ließen ſich kaum zählen. Sie ſchienen getreu auf einander zu fol⸗ gen, wie im Meer Woge auf Woge, von der Kehle an über die Bruſt hinab bis auf den Magen, von dem man ſagen konnte, daß er der letzte wie guch der reſpek⸗ tabelſte von allen Wulſten war.

Sn dieſen Perſonen wird der Leſer, der ein gutes

6G tniß hat, vielleicht alte Bekannte aus dem An⸗

fang dieſer Erzählung wieder erkennen, nämlich den Notar Abſalon und Frau Regina's beide Töchter, Roſina und Lilia. Aber jetzt waren die Verhältniſſe in ſofern verändert, daß in dem Fremdenbuch des Botels zu leſen ſtand: Bürgermeiſter Abſalon aus X. nobſt Frau und Schwägerin.

Seit Abſalon ſeine hohe Beförderung errungen, hatte er für gut befunden, zur Verherrlichung ſeines Anſehens eine Reiſe in's Ausland zu unternehmen, und nachdem die Frage manches Jahr in der Schwebe geblieben, war der 6 Plan Frau Regina nannte ihn recht und ſchlecht eine kindiſche Eitelkeit endlich in's Werk ge⸗ ſetzt worden. Man hatte ſich auf volle vierzehn Tage von der Heimath losgeriſſen, um die Welt zu beſehen. Berlin war das Ziel der Reiſe.

Ein Funke. II. 49