Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

286

ſchloß meine unglückliche Frau endlich ihr trauriges Daſein, und als Du nachher meinen Sinnenrauſch auf eine Höhe triebeſt, die Wahnſinn war, verleiteteſt Du mich durch die hinterliſtigſten Intriguen, daß ich Dir in einem Au⸗ genblick unverzeihlicher Schwachheit meine Hand ſchenkte. Wie bin ich nicht ſeit dieſer Zeit ein Gegenſtand des Spottes und der Verachtung geworden! Meine Familie will mich nicht mehr anerkennen. Alle meine Bekannte kehren mir den Rücken. Ich habe keine Fräude mehr in meiner Heimath, ſondern muß wie ein Flüchtling in der Welt umherirren. Immer geht mir jedoch die Fama voraus. Ueberall finde ich jetzt die Geſellſchaftskreiſe, denen ich durch meine Geburt angehöre, verſchloſſen, und an Deiner Seite, Poriſina, habe ich auch nicht einen einzigen friedlichen Augenblick. Auch Du com⸗ plottirſt gegen mich und drohſt das Maß meiner Ernie⸗ drigung voll zu machen.

Das Gemälde iſt nicht ohne Effekt, das muß ich zugeben. Aber ich könnte daneben ein Pendant ganz in demſelben Genre aufhängen, das Gemälde meines eigenen Lebens Du ſprichſt von Geburt, aber was wollen wohl alle Deine Ahnen beſagen gegen meinen Künſtlerruf? Der Name Signora Pariſina war einſt in der ganzen Welt beſſer bekannt, als der Name des Gra⸗ fen Manfred es jemals werden wird. Aber Du raubteſt mir mein Herz. Dir zu Liebe ſtieg ich von meinem Herrſcherthron herab und übergab meine Freiheit in Deine Hand. Womit haſt Du wohl dieſe koſtbaren Opfer vergolten? Haſt Du mir auch nur einen Augen⸗ blick eine wahre und ehrliche Ergebenheit geſchenkt! Und der vornehme Rang, den Du mir gegeben, hat er etwas Anderes, als Verleumdungen mit ſich geführt? Als Tänzerin habe ich ſogar Fürſten zu meinen Füßen ge⸗ ſehen, aber als Deine Gattin ernte ich nur Verachtung von dieſen hochmüthigen Pinſeln, die Du Deines Glei⸗ chen nennft, während Du ſelbſt mir jeden kleinen Triumph