ſich getäuſcht. Der Graf ſtand auf ſeinem Platz ebenſo unſicher, wie ſie auf dem ihrigen, und einer der Be⸗ kanhten der Signora, den ſie mit Recht als wohlunter⸗ richtet betrachten durfte, hatte ihr, als ſie neulich das Theater verließ, in's Ohr geflüſtert, Graf Manfred's Entlaſſung ſei unwiderruflich beſchloſſen in demſelben Augenblick, wo eine Auspfeifung in der königlichen Oper ſtattfände, und Leopoldinen's Fall werde den ſei⸗ nigen mit ſich ziehen.
Nachdem ſie lange ängſtlich zwiſchen verſchiedenen Plänen geſchwankt, ſah man endlich an dem beſtimm⸗ ten Ausdruck in ihren Zügen, daß ſie einen entſcheiden⸗ den Entſchluß gefaßt hatte. Sie richtete ſich auf und ihre ganze Haltung deutete jenen Muth der Verzweif⸗ lung, jene Verwegenheit an, welche dem Spieler ange⸗ hört, wenn er ſein letztes Geld auf eine einzige Karte wirft.
„Ich laſſe ihn nicht los,“ ſagte ſie,„ich habe ihn in meinen Netzen, und da ſoll er bleiben!... Graf Manfred iſt nicht mehr Theaterdirector, das mag ſein, aber er iſt jedenfalls ein reicher Mann, und er ſoll erfahren, was es heißen will, von einem Weibe meiner Art geliebt zu werden.“
Die Signora ſchien ſich über ihre eigene Kraft in dieſem Vorſatze zu freuen, aber die Freude erſtarb in einem qualvollen Seufzer, als ſie näher betrachtete, was der gefaßte Beſchluß für ſie in ſich ſchloß, als ſie all' die Anſtrengungen, all' die Liſt, all' die Heuchelei zuſammenrechnete, die ihre neuen Pläne in Anſpruch nahmen.
Die vielgeprieſene Tänzerin hatte alſo kaum eine ruhigere Nacht, als die ausgepfiffene Sängerin.


