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Mit Michael's eigenem Briefträger ſchickte ſie ihre Ant⸗ wort. Sie war kurz und lautete: „Vater!
„Bitte Gott um die Kraft, mich zu vergeſſen. Laß die Zeit, da wir beiſammen lebten, nur als einen ſchönen Traum vor Deiner Erinnerung ſtehen. Gib Dich Dei⸗ nen Phantaſien über die Kunſt hin, erfreue Dich an allem Schönen, was ſich noch im Leben vorfindet. Aber fliegt gleichwohl Dein Gedanke in einer betrübten Stunde einmal zu Deinem Sohn und zu derjenigen zurlck, welche einſt der Liebling Deiner Hoffnungen geweſen, ach, ſo lauſche auch dem milden Geſang des Engels der Verſöhnung, der in Deinem Herzen wohnt.
„Es iſt finſter um mich her, und ich weiß nicht, was mein zukünftiges Schickſal in ſich ſchließt. Daß ich meiner Beſtimmung untreu geworden, kann ich nicht leugnen, und am wenigſten mir ſelbſt gegenüber. beuge unterwürfig mein Haupt vor dem harten Richtkr⸗ ſpruch. Aber was ich als Kün ſtlerin verbrochen habe, will ich als Gattin wieder gut zu machen ſuchen. Ich will mich wenigſtens keiner doppelten Untreue ſchul⸗ dig machen. Kein Unglück verjagt mich von Maximi⸗ lian's Seite; ihm gehört mein ganzes noch übriges Leben.“
Indem ich von meinem Autorenvorrecht, durch ver⸗ ſchloſſene Thüren einzutreten, Gebrauch mache, begebe ich mich jetzt ganz dreiſt in Signora Pariſina's Schlaf⸗ zimmer. Hier bei ihr, die ſo eben bei dem Publikum Glück gemacht hat, die ſo eben applaudirt und geprie⸗ ſen worden iſt, hier, wenn irgendwo, muß doch wohl Glück und Zufriedenheit zu finden ſein?
Die Tänzerin ſaß gedankenvoll in einer Sophaecke; ſie fühlte ſich müde von ihren Anſtrengungen, war aber gleichwohl zu unruhig, um den Frieden des Schlafes


