Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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der Tänzerin angefeuert waren, mußte es für Leopoldine noch ſchwerer werden, ſich einige Sympathien zu gewin⸗ nen. Und gleichwohl blieb noch ihre große Schlüßſcene übrig, diejenige, von welcher ihr Urtheil eigentlich ab⸗ hängen ſollte. Sie wußte das. In einigen wenigen Augenblicken ſollte ihr Schickſal entſchieden ſein. Es war ihr, als ſchwebte ein Schwert über ihrem Haupte. Nachdem Raimond, die einzige ehrliche Seele im ganzen Stück, ſchnaubend erzählt, daß Lucie im Braut⸗ gemach ihren Gemahl ermordet habe, ſang er: Sie kommt, das arme, ſchwer gedrückte Opfer! In dieſem Augenblick erſchien die jetzt wahnſinnige Lucie, bleich und ſtierend, mit blutigem Gewand und den Dolch in der Hand. Man muß ſich bei dieſer Er⸗ ſcheinung unwillkürlich entſetzen. Leopoldinen's Ver⸗ wirrung war ſo natürlich. Sie rührte manches Herz und die Wagſchale neigte ſich noch einmal zu ihrem Vortheil. Der Ausdruck in ihrem Geſang war gelun⸗ gen, und es lag Wahrheit in ihrem Spiel, als ſie mit abgebrochenen, unklaren Sätzen die Erinnerung an ihre Liebe in ihr Verbrechen vermengte, als ſie, wie einen Augenblick von blutigen Geſpenſtern erſchreckt, die ihre Phantaſie hervorrief, unmittelbar darauf ihr Schickſal als Edgar's Braut pries. Aber die Scene iſt lang. Sie konnte ihre Gedanken nicht fortwährend bei ihrer Rolle feſthalten, ſie vergaß Lucie wieder über ſich ſelbſt. Bald war jetzt alle Exaltation geſchwunden, und der Geſang wurde farblos und matt. Die Schwärmerei, die zu dem Wahnwitz und der unglücklichen Mörderin gehört, beſaß keine poetiſche Inſpiration mehr; was man hörte und ſah, war eher unheimlich als tragiſch

ön.

Der Auftritt zwiſchen ihr und Aſton mißlang ſchon von Anfang an. Sie fand es ſelbſt gar zu deutlich und wurde aus Furcht noch ſchwankender und unſicherer. Die Situation, die gut ausgedacht iſt, macht indeß⸗

Ein Funke. I. 18