Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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daß die Quellader der Poeſie in ihrer Bruſt vertrocknet war. Gleichwohl hielt ſie die Thränen zurück, womit ſie ſich ſelbſt zu beweinen im Begriff ſtand. Das Ver⸗ langen, Glück zu machen, die Kunſt als einen Nahrungs⸗ zweig zu gebrauchen, reizte noch immer ihren Muth, und ſie ſtrengte alle ihre Kräfte an, um durch eine äußere Vollendung ihres Geſanges die geiſtige Armuth deſſelben zu bemänteln, um den Mangel an Gefühl durch geſuchte Effecte zu erſetzen. Aber damit warf ſie ſich auf ein Feld, worauf ſie ſich bisher noch nie ver⸗ ſucht hatte. Als Bravourſängerin hatte ſie unleugbar noch viel zu lernen.

Es iſt jetzt nicht die Abſicht, der Oper Schritt für Schritt zu folgen. Laßt uns nur einen flüchtigen Blick darauf werfen.

Edgar(der Liebhaber) wurde von einem offenbar ſehr ſchwachen Talent geſpielt. Von ihm hatte Leopol⸗ dine keine Hülfe zu erwarten, kein Feuer zu borgen. Der arme Tenoriſt, der zufällig etwas heiſer war, konnte nur höchſt unvollkommen ſich ſelbſt beleben, aber ſeiner Heldin keine Anregung geben. Daß ihre Liebe ſchon von Anfang an unglücklich ſein ſoll, gehört zum Stück; aber es lag jetzt fowohl in der Liebe als im Unglück eine Mattigkeit, die keinen guten Effect machte. Beim Ringwechſeln meinte man der Abſchließung einer Ver⸗ ſtandesheirath anzuwohnen, und der langgedehnte Ab⸗ ſchied erſchien Jedem mehr langweilig als betrübt; man fand, und zwar mit Recht, daß ſie allzu viel Weſen aus einem Gefühl machten, das ſo offenbar gar nicht vorhanden war.

Arme Leopoldine, ſagte man am Schluß des erſten Aktes,ſie iſt mit ihrer Liebe ganz ſchlecht ge⸗ fahren. Es iſt ja ganz unmöglich, ſich in einen ſolchen heiſeren und kranken Menſchen herzlich zu verlieben. Statt all dieſer zärtlichen Abſchiedsworte hätte ſie ihm eine Taſſe Fliederthee vorſetzen ſollen, bevor er ſich auf ſeine lange Reiſe begab.