Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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ſich mehr in den abgelaubten Kronen der Bäume. Die Hoffnungen waren entſchwunden und Du empfandeſt nur eine wehmüthige Sehnſucht. Eine ähnliche Sehn⸗ ſucht wurde jetzt von Leopoldine in manchem Herzen her⸗ vorgerufen. Ach, die Arme, ſie war über ihren Som⸗ mer hinweggehüpft; es war bereits Herbſt in ihrer inneren Welt.

Einmal bei ihren erſten Tritten auf der Künſtler⸗ laufbahn fällte ſie über ſich ſelbſt ein Urtheil, das noch jetzt nichts von ſeiner Wahrheit verloren hatte. Nur in meiner eigenen Begeiſterung gelingt es mir, die Herzen meiner Zuhörer mit mir zu reißen.

In dieſen einfachen Worten liegt das ganze Ge⸗ heimniß ihrer Begabung als Sängerin. Gewiß gibt es eine zahlloſe Menge von Muſikern, welche der Kunſt gänzlich unabhängig von ihren individuellen Neigungen dienen. Ja wie manchmal ſind wir nicht von der Scene aus durch eine edle Rolle gerührt worden, die zu unſerer vollen Zufriedenheit von einer in der Tiefe ihres Herzens ganz unmoraliſchen Perſon ausgeführt wurde, und wenn es uns möglich geweſen wäre, in des Sängers eigene Seele zu ſchauen, juſt in dem Augenblick, wo er uns in höheren Regionen zu ſchweben ſchien, ſo hätte es uns vielleicht unangenehm überraſcht, in derſelben den launigſten Gedanken, den niedrigſten Gefühlen zu begegnen. Aber ſolche Talente gehören einer ganz an⸗ dern Natur an, als Leopoldine. Sie ſind in einer ge⸗ wiſſen Schule ausgebildet worden und bleiben ihr zu⸗ gethan. Oft ſind ſie nur als eine Art von Inſtrumenten zu betrachten— höchſt vortreffliche Inſtrumente, das muß man zugeben, die zuweilen mit erſtaunlicher Fertig⸗ keit und treffender Wahrheit eine Compoſition wieder⸗ geben können, obſchon ihre Herzen eigentlich keinen Theil daran haben; ſie haben alle menſchlichen Leiden⸗ ſchaften nachahmen gelernt, ohne daß ihre innere Ruhe dadurch auch nur einen einzigen Augenblick geſtört wird.