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Geſtern war ich gut disponirt und fühlte bei mir ſelbſt, daß ich meine Rolle nicht unglücklich ſpielte. Das immer dankbare Publikum ſchenkte mir auch reich⸗ lichen Beifall. Als ich meine letzte Arie zum Zweiten⸗ mal geſungen hatte, wurde ich mit ſtarken Applauſen belohrt, und von allen Seiten her flogen Blumen auf die Bühne. In dieſem Moment blickte ich zu meiner einnehmenden Blondine hinauf. Auch ſie theilte die all⸗ gemeinen Gefühle; in ihrem Entzücken nahm ſie ein Bou⸗ quet von ihrer Schärpe und warf es erröthend, aber mit einem Ausdruck warmer Dankbarkeit„mir zu Füßen. Im nächſten Augenblick ruhten dieſe Blumen an meinen Lippen. Ich glaubte zu bemerken, daß eine Thräne noch auf den Blättern einer Roſe zitterte; ich küßte ſie im glücklichen Entzücken weg. Dieſes Bouquet war mir lieber als alle andern; es war meine ſchönſte Trophäe.. Noch ſteht es friſch und duftend auf dem Tiſche vor mir; aber ach, ich betrachte es nicht mehr mit demſelben Blick und derſelbe Freude wie geſiern
Vor ein Paar Stunden kam ich von einer Soirée bei der Gräfin Manfred zurück. Die Verſammlung war groß und glänzend. Als ich ſchon lange dageweſen war, entdeckte ich unter der Geſellſchaft meinen Theaterlieb⸗ ling, die hübſche Blondine. Sie kam mir, als ich ſie jetzt näher betrachtete, noch einnehmender vorz ihre Fi⸗ gur iſt ſo zart, ſo fein, und in ihrem ganzen Weſen liegt etwas Kindliches, etwas Allerliebſtes, das man unwillkürlich liebkoſen zu dürfen wünſcht. Man erſuchte mich, Muſik zu machen. Ich that es mit Vergnügen und führte einige meiner beſten Geſänge zum Piano aus. Nachdem ich geendet hatte, ſammelte ſich ein dichter Kreis von dankenden und beredten Schmeichlern um mich her. Viele mir bisher unbekannte Perſonen aus den por⸗ nehmſten Claſſen der Geſellſchaft ließen ſich vorſtellen. Man erwies mir die größte Aufmerkſamkeit und das allgemeine Intereſſe ſchien ſich eine Weile um meine unbedeutende Perſon concentrirt zu haben. Ich will


