Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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werfen; ich bin ſowohl in meiner Freude wie in meinen Schmerzen noch ein Kind. In Folge dieſer allzu kin⸗ diſchen Erregbarkeit meines Gefühls, bin ich jetzt mehrere Stunden muthlos geweſen. Ich will die ganze Geſchichte hier erzählen. Auf eine der Logen zunächſt der Bühne iſt eine vornehme Familie abonnirt. Auf den vorderen Plätzen, welche durch den Lichtſchein vom Orcheſter her eine klare Beleuchtung erhalten, ſitzt gewöhnlich eine ältere Dame mit ihren zwei Töchtern. Die jüngſte von ihnen, ſie kann kaum mehr als ſechzehn Jahre haben, iſt eine Blondine von ungewöhnlicher Schönheit. Ihr hellge⸗ locktes Köpfchen hat eine bezaubernde Anmuth, und in allen ihren Bewegungen verräth ſich Unſchuld und Her⸗ zensgüte. Wenn ſie lacht, und das thut ſie oft, ſo geſchieht es mit einer Herzlichkeit, die man ſelten an⸗ derswo als bei einem glücklichen Kinde findet; aber zuweilen hat das Lächeln noch nicht ihre Lippen verlaſſen, ſo hat bereits auch eine einzige rührende Seene Thränen des Mitleids ihren ſchönen Augen entlockt. Ich habe mit Vergnügen bemerkt, daß ſie meinem Spiel mit der lebhafteſten Theilnahme folgt, und mein Blick war ge⸗ wöhnt, immer dem ihrigen zu begegnen, und eine Weile in dieſem freundlichen hellblauen Himmel zn verweilen, wenn ich manchmal auf den Theaterſaa hinausſehe. So hat dieſes junge Mädchen, das ich übrigens ganz und gar nicht kenne, mich eingenommen und iſt meinem Herzen theuer geworden. Ich habe einen Genuß darin gefunden, während der Zwiſchenakte ſie zu betrachten. Meine zärtlichſten Gedanken haben ſie umſchwebt, ich habe mich geſehnt, dieſes liebenswürdige Kind in meine Arme ſchließen, ihre hellen Locken küſſen, ſie als eine Schweſter lieben zu dürfen, und es iſt mein theuerſter Traum geweſen, daß eine gegenſeitige Sympathie un⸗ ſer Herzen vereinige, obſchon wir ſonſt einander fremd ind.