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eigene Tugend. Ach, man kann die Tugend nicht recht lieben, wenn man ſie nur als moraliſches Gebot, ohne Poeſie und Schönheit, kennt.
Wenn ich an die Entwickelung meiner Schickſale denke, ſo kommt mir mein ganzes verfloſſenes Leben wie ein Märchen vor.
Der Heimath meiner Kindheit näherte ſich nicht ein
Laut von dem Geräuſche der Welt. Ich erinnere mich
ſo gut, wenn ich von der unendlichen Ausdehnung der Erde, von der Menge der Bevölkerungen, von großen Städten und verſchiedenen Ländern las, oder wenn ich in den langen Winterabenden von den Lippen meiner Mutter Erzählungen aus ihrem eigenen Leben anhörte, was ſie in ihren glücklichen Tagen draußen in der Welt geſehen und erfahren hatte, da ſtaunte mein junges Gemüth. Die Gemälde, welche die Einbildungskraft vor meiner Seele aufrollte, entzückten mich; es gab alſo auch Weſen jenſeits der Berge, die unſer Thal einſchloſſen! Der Waſſerfall, der da brauste, die Jah⸗ reszeiten, die Blumen, die Vögel, die Liebe meiner Mutter, ſie waren alſo nicht die einzigen Beweiſe von Gottes Größe! Mein Verlangen, hinaus in dieſe neue fremde Welt zu kommen, wuchs mit⸗ der Kraft der Phan⸗ taſie, und die Ahnungen hüpften den Kenntniſſen vor⸗ aus. Es war der Engel des Todes, der mir die Thore dahin öffnete. Ich weinte die tolle Freude der Kind⸗ heit hinweg an meiner Mutter Bahre, und mein Blick war verdüſtert von den Thränen des Grames, als ich über die Schwelle trat, welche für mich die Grenze zwiſchen Streit und Frieden war.
Wie arm, wie hülflos ſtand ich jetzt nicht da! Man betrachtete mich mit Verwunderung und ſchüttelte bedenklich den Kopf. Der Einzige, der meine Gefühle und das, was in meinem Innern vorging, begriff,


