die Kunſt leben zu können, die ich ſo innig liebe. Graf Manfred iſt mir ein unſchätzbar guter Rathgeber in all' dieſen Dingen geworden. Ach, wie es doch ſo viele vortreffliche Menſchen hier in der Welt gibt, und wie wohl es dem Herzen thut, daran zu denken!
Alles iſt verändert. Ich gehöre nicht mehr zu Frau Knäck's lieben Penſionären, ich bin nicht mehr arm und allein. Statt der ungemüthlichen Kammer, die ich bei ihr bewohnte, beſitze ich jetzt eine bezaubernde kleine Wohnung. An meinem Salon brauchte ſich eine Für⸗ ſtin nicht zu ſchämen. Hier ſteht mein Piano, und wenn die Sonne durch die hohen Fenſter herein ſcheint und meine ſchönen Blumen liebkost, ſo wird es auch in meiner Seele ſonnenhell. Die Eleganz in meinem Toiletten⸗ und meinem Schlafzimmer iſt nicht minder ge⸗ ſchmackvoll. In den erſten Tagen hatte ich eine eigent⸗ liche Scheu vor dem Lurus, der mich hier umgibt, aber jetzt habe ich mich bereits daran gewöhnt und gefun⸗ 1e was das Allerbeſte iſt, ein gemüthliches Wohl⸗ ehagen.
Ich wohne bei einem der Angeſtellten des Theaters. Er iſt ein gebildeter, wohlwollender Mann, und ſeine junge Frau iſt gut und fröhlich wie ein Kind. Ich eſſe an ihrem Tiſch und betrachte mich bereits als Glied dieſer glücklichen Familie. Sie führen ein angeneh⸗ mes Leben, empfangen viel Beſuch in ihrem Hauſe, und Alles athmet hier Freude und Lebensluſt. Ich, die ich früher ſo einſam und ſtill lebte, finde eine große An⸗ nehmlichkeit darin, an der friſchen Freude Theil zu neh⸗ men, die um mich her lächelt. Sie läßt mich empfin⸗ den, daß ich wirklich noch jung bin, und im Ganzen iſt die Freude für mich noch neuer, als das Glück. Alle Menſchen zeigen Theilnahme für meine Perſon; ich ſpreche nicht von all' der Artigkeit, die man an mich verſchwendet, aber das ehrliche Wohlwollen geht mir zu Herzen. Kaum habe ich einen Wunſch geäußert, ſo iſt er auch ſchon erfüllt, und gleichwohl ſchien es


