Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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XVI.

Die Primadonna.

So tief, ſo mächtig reget ſich in mir Ein dunkler Schwall von Wünſchen und Gefühlen. Ernſt Kjellander.

Der Verfaſſer hat eine gewiſſe Angſt davor, in Romanen auf Briefſammlungen und Tägbuchauszüge u ſtoßen, und gleichwohl hat er jetzt im Sinn, hier eoſ etwas Derartiges mitzutheilen. Lieber Leſer, die Nothwendigkeit iſt es, die mich zwingt. Um von Leopoldinen's eigenen Eindrücken und der Art, wie ſie ihre neue Stellung auffaßte, einen Begriff zu geben, weiß ich wahrhaftig kein beſſeres Mittel, als daß ich einige zerſtreute Auszüge aus ihren Privatnotizen von dieſer Zeit mittheile; daß dieſe möglichſt kurz find, dafür möge der Leſer(und Verleger) mir Rechnung tragen⸗

Es iſt ſpät in der Nacht, aber ich kann nicht ſchla⸗ fen, und doch bedürfte ich deſſen ſo ſehr. O, mein Gott, wie bin ich ſo unruhig!.. Morgen wird mein Schickſal entſchieden, mein Urtheil gefällt werden. Ich werde zum erſten Mal im Theater auſtreten Für mich liegt Leben oder Tod in dieſem Tage. Wenn es mir nicht gelingt, was ſoll dann aus mir werden, wozu werde ich dann noch gut ſein? Wie wird dann meine Zukunft ſich geſtalten? Tauſendmal habe ich dieſe Fragen an mich geſtellt, ohne eine beruhigende Antwort u finden. Ich bin kühner geweſen als irgend ein Menſch ſein darf. Alle meine Hoffnungen hängen an einem einzigen Faden; zerreißt der, ſo bin ich das hülf⸗ loſeſte Weſen auf Erden. Ein Vogel, den man ſeiner