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wird bald verſcherzt ſein, denn Sie beſitzen ja keine Kräfte, womit Sie dieſelbe feſthalten können, und der Zeitgeiſt iſt von der Art, daß Ihre eifrigſten Bewun⸗ derer Sie in dieſem Falle beſtehlen werden. Der Schrei⸗ ber dieſer Worte iſt Ihnen in der letzten Zeit mit un⸗ getheilter Aufmerkſamkeit gefolgt; er kennt Sie als Künſtlerin beſſer als Sie ſich ſelbſt kennen. Das Publi⸗ kum betheuert, daß Sie täglich neue Fortſchritte machen, daß Sie ſeit Ihrem Debüt unendlich geſtiegen ſeien; das iſt nicht wahr. Sie haben bloß mehr Bühnen⸗ ſicherheit, mehr Fertigkeit, größere Virtuoſität erworben. Das mag allerdings ein guter Gewinn ſein, aber es iſt nicht das Weſentlichſte; es iſt noch lange uicht Alles, was Sie bedürfen. Nein, der Geiſt iſt das Wichtigſte, und darin ſtehen Sie noch ſchwankend da, unſicher über den rechten Weg, eine Selavin der Eingebungen des Augenblicks. Man muß geſtehen, daß Ihre Inſpirativ⸗ nen voft aus einer hnnßhe Quelle fließen, aber alle Inſpiration hängt von der Laune, der Gemüthsſtim⸗ mung und dem Herzen ab, und dieſes hängt wiederum von der Welt ab, worin wir leben Ach, die Ein⸗ gebung iſt ein flüchtiger Sommervogel, der Sie in dem Augenblick verlaſſen wird, wo die Blumen der Seele verwelken, und dieſer traurige Augenblick wird nicht lange ausbleiben, denn es iſt Gift in der Luft, die Sie einathmen. In unſern Tagen herrſcht eine ſ Anarchie in der Welt der Kunſt, und die Brandopfer, welche dem Götzen des Augenblicks dargebracht werden, ſind mit dem Herzblut des darniedergetretenen guten Geſchmackes vermiſcht.. Denken Sie an dieſe Worte, Mamſell Leopoldine, wenn das Bravogeſchrei des Publi⸗ kums zu Ihren Ehren die Wände des Opernhauſes er⸗ ſchüttert, und denket auch ihr daran, die ihr einen ſo ſchrecklichen Lärm macht.“
Dieſer Artikel rief bei den Zuhörern Gelächter und Aerger hervor. Die Einen lachten, die Andern fluchten. Die Bemerkungen über Mamſell Leopoldine wurden


