Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Vollkommen! antwortete man im Chor.

Aber der eine und der andere von der Geſellſchaft meinte, wenn er die Ausdrücke in dem vorgeleſenen Artikel mit ſeinen eigenen verglich, daß die letzteren gar zu matt ſeien, und da dieſer Schlag von Kunſtfreunden gewöhnlich die Schwachheit hat, zuſt mit Uebertreibun⸗ gen ihres affektirten Enthuſiasmus imponiren und glän⸗ zen zu wollen, ſo fanden ſie ſich veranlaßt, durch noch hyperboliſchere Phraſen, wie ſie ſelbſt glaubten, den überlegenen Reichthum ihrer eigenen Phantaſie, das un⸗

vergleichliche Feuer ihrer eigenen Gefühle an den Tag

zu legen.. Der Eine hetzte den Andernz es entſtand ein Wettſtreit in Schmeicheleien, Lobgeſängen, Ver⸗ ötterungen, und Gott weiß, wie man dieſe Ausſchwei⸗ ungen beendet haben würde, wenn nicht die Mehrzahl Stillſchweigen verlangt hätte, um den eingeſandten Artikel zu hören.

Die Lektüre wurde fortgeſetzt:

Eingeſandt unb bezahlt.)

Seit einigen Monaten hat man Gelegenheit gehabt, in unſerer königlichen Oper die Bekanntſchaft mit einer jungen Sängerin zu machen, die mit ungewöhnlich guten Anlagen ausgeſtattet iſt. Kein Kunſtfreund kann gegen eine Perſon von ſolchen Naturgaben gleich⸗ gültig ſein. Das Publikum hat in althergebrachter Weiſe ſeinem muſikaliſchen Entzücken in den gräßlichſten Mißlauten Luft geſchafft. Auch der Einſender will für die Augenblicke des Genuſſes, die Mamſell Leopoldine ihm ſchenkte, nicht undankbar ſein. Er bedient ſich da⸗ her dieſes Weges, um ſeine Erkenntlichkeit an den Tag zu legen, und was die Aufrichtigkeit und wohlmeinende Geſinnung betrifft, ſo fürchtet er keinen Vergleich, am allerwenigſten mit dem applaudirenden, ſchreienden, ſtampfenden, herausrufenden und Blumen werfenden Publikum.

Mamſell Levpoldine! Ich will Ihnen einige Worte ſagen, welche Sie gewiß lange nicht gehört haben: Sie