Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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Kunſtausdrücken entziffern, ſondern beſtürmt jedes Herz mit ſun höchſten Ginſti des Entzückens. Es iſt wahr, daß Mamſell Leopoldine keine Bravvur⸗Sängerin iſt; aber ſollte wohl dieſes Genre der Gegenſtand des Strebens für eine Künſtlerin ſein, die ihren ſeelenvollen Vortrag beſitzt? Im Uebrigen geſtehen wir, daß wir bei dieſer Kuͤnſtlerin etwas noch nicht gefunden haben, was wir in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes Methode, Manier, Schule oder Studium nennen könnten; wir kennen bloß ihr gottgebornes Genie, und indem wir uns tief vor demſelben demüthigen, iſt es unſer inniger, unſer warmer Wunſch, daß alle Dornen des Künſtlerlebens vor ihren Füßen berdorren, und daß das Publikum immer, wie am geſtrigen Abend, einen wür⸗ digen Ausdruck für ſeine Begeiſterung, ſeine Dankbar⸗ keit finden möge.

Mamſell Leopoldine wurde nach dem Schluß der Vorſtellung viermal herausgerufen und endlich mit einem zehnfachen Bravo begrüßt.

»Die Redaktion hat einem über denſelben Gegen⸗ ſtand eingeſandten Artikel die Aufnahme in ihr Blatt nicht verweigern können. Der Leſer findet ihn auf einer andern Spalte. Wir verwahren uns inzwiſchen in allen Beziehungen gegen die Behauptungen, die hier in einer Sprache aufgeſtellt werden, welche nach unſerer Anſicht in hohem Grade unpaſſend iſt und gegen die Forderung des Zartgefühls verſtößt. Aber es iſt unſere vollkom⸗ mene Ueberzeugung, daß Mamſell Levpoldine einen allzu hohen Werth, ein allzu allgemein anerkanntes Talent beſitzt, um von der Klatſchſucht aufgeblaſener Einſeitig⸗ keit oder Pedanterie verletzt werden zu können, und wir machen daher auf den eingeſandten Artikel nur als auf eine Curioſität aufmerkſam. ch hoffe, ſagte der Vorleſer,daß Sie, meine Herren, in die Lobeserhebungen, welche der ausgezeich⸗ nete Theaterreferent geſpendet hat, vollkommen einſtim⸗ men werden.