Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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Nein, Maximilian, bleib hier!... Bleib bei mir, ich will Alles für Dein Glück thun... Hörſt Du, ich will Alles thun! Kehre zurück, Marximilian, komme wieder an meine Bruſt!

Die Bitte wurde nicht erhört. Michael's Buſen blieb leer: Marimilian kehrte nicht wieder. Der Vater hatte ſeinen Sohn, der Lehrer ſeinen letzten Schüler verloren..

Ein gewöhnlicher Menſch würde ſo vielen Wider⸗ wärtigkeiten und ſo manchen Sorgen, wie diejenigen, die Michael Lambert trafen, unterlegen ſein, aber au darin erweist ſich die Göttlichkeit der Kunſt, daß Die⸗ jenigen, die ſie recht lieben, niemals verzweifeln können. Die meiſten von Michael's Plänen waren mißlungen. Sein Reichthum war verſchleudert, er war betrogen von ſeiner Frau, verlaſſen von ſeinem Sohne. Aber noch behielt er das Leben lieb. Die Kunſt war ja noch gleich ſchön und ſeine Liebe zu ihr blieb uner⸗ ſchütterlich. So weit jeine kleinen Mittel es geſtat⸗ teten, ſetzte er, obſchon in einem engeren Kreiſe, ſeine Reiſen fort und brachte gern jedes Opfer, um ſich Ge⸗ kegenheit zu einem muſikaliſchen Genuß zu verſchaffen, wobei er, wie immer, das Theater in die erſte Linie ſtellte. Im Uebrigen beſchränkte ſich ſeine Wirkſamkeit

darauf, daß er mitunter ſehr häufig unentgeltlich der

Jugend in irgend einer öffentlichen Schule der Stadt dder auf dem Lande Geſangunterricht ertheilte und zu ſeinem eigenen Vergnügen kleine Compoſitionen ent⸗ warf, ohne ſie der Seffentlichkeit zu übergeben. In der Tiefe ſeiner Seele Frannte noch gleich warm das Ver⸗ langen, den allgemeinen Geſchmack zu reformiren und eine neue, vor allen Dingen wahre und der Bildung des Zeitgeiſtes würdige muſikaliſche Schule zu bilden⸗ Seine Liebe für dieße Idee machte ihn unverſöhnlich gegen den vorherrſchenden modernen Geiſt, und es war ihm unmöglich, den Abſcheu, den er gegen alle nach ſeinem Dafurhalten falſche Kunſt hegte, zu überwinden

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