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oder zu verhehlen. Er konnte Freunde und Gönner verlieren, aber er konnte ſich nicht beſtimmen laſſen, mit einem Wort oder einer Miene ſeiner eigenen Lehre untreu zu werden. Sein Mißvergnügen war bald ge⸗ weckt und ſein Gefühl glitt leicht in einem Ausruf über ſeine Lippen. Dieſe Aufrichtigkeit machte ſeine Stel⸗ lung noch iſolirter, obſchon man allerdings ohne Mühe finden konnte, daß ſeine Verachtung gegen die Men⸗ ſchen ſeine edle Liebe zur Menſchheit niemals einen Augenblick erſchütterte.
Wie er endlich ſein ſo eifrig erſehntes Ziel errei⸗ chen ſollte, wußte er nicht, aber es ſchwebte ihm eine Ahnung vor, daß er einmal ein Mittel gewinnen würde, ſeine Pläne zu xealiſiren, daß er einmal eine Seele finden würde, die, von ihm geleitet und begeiſtert, das geträumte große Werk vollenden ſollte. Dieſe Hoff⸗ nung war ſein Troſt, ſeine Kraft, und ſein ganzes Leben war ein beſtändiges Sehnen, ein beſtändiges Sihen nach einem ſolchen Mittel, nach einer ſolchen
eele.
Wir kennen jetzt beſſer als die große Menge das lebhafte, exaltirte, grauköpfige Männchen, das ſeinen Parterreplatz in der königlichen Oper zu D. ſo getreu beibehielt.


