Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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brannte vor Verlangen, Auszeichnung zu gewinnen, ſich einen Platz neben jenen modernen Kunſtlöwen zu erwerben, welche Lorbeeren und Gold im Ueberfluß ein⸗ ernten.

Eines Tags ſtand er in ſeines Vaters dürftigem Stübchen vor einem wackeligen Notenſtänder und ſpielte eine von Mozart's Sonaten. Am Abend zuvor war er ohne Michael's Wiſſen in einer großen, glänzenden Geſellſchaft aufgetreten und mit ſchmeichelhaftem Lob überhäuft worden. Jetzt befand er ſich bei übler Laune und war ganz ſchlecht geſtimmt. Die Spuren von Dürftigkeit, die ihn von allen Seiten umgaben, beäng⸗ ſtigten ihn; die beſtändigen Zurechtweiſungen und Be⸗ merkungen ſeines Vaters verletzten ſeinen Stolz und verſetzten ihn in einen gewiſſen Zuſtand der Gährung. Sein Spiel wurde immer ſchlechter. WMichael er⸗ zürnte ſich, ſtampfte ungeduldig auf den Boden und befahl ſeinem Sohn, von Neuem anzufangen... Ma⸗ rimilian's Stirne verfinſterte ſich, er biß ſich in die Lippen, aber er gehorchte. Es wurde nicht beſſer Er fing noch einmal von vorn an Wiederum brach der aufgebrachte Vater in ſcharfe Zurechtweiſun⸗ gen aus Jetzt ſtieg Maximilian das Blut in den Kopf. Seine Geduld war zu Ende, und mit dem feſten Vorſatz, ſeine erniedrigenden Ketten auf einmal zu zer⸗ brechen, warf er ſeine Geige mit ſolcher Kraft, daß die Splitter im Zimmer umherflogen, Michael zu Füßen. Der Vater verſtummte vor Entſetzen; der Sohn ſagte mit feſter Stimme:

Jetzt iſt es aus!. In dem Augenblick, wo ich dieſes Inſtrument zertrümmerte, habe ich auch das Fach zertrümmert, das Sie mir auferlegten. Ich kann die⸗ ſen deſpotiſchen Druck nicht länger aushalten; er würde meine Jugend erſticken Sie wollen einen gelehrten Pedanten aus mir bilden, das wird Ihnen nie gelin⸗ gen Ich bin zu ganz anderen Bahnen geſchaffen,

Ein Funken. I. 17