Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

254

Geldbeiträge; aber dieß konnten ſeine Handwerksgenoſſen nicht ertragen. Ihr Neid loderte noch einmal in heller Flamme auf. Sie erklärten Michael für einen halb⸗ verrückten Glücksritter, der außer Stands ſei, auch nur eine einzige vernünftige Lehre vorzutragen, und be⸗ haupteten einſtimmig, daß ſeine Schule, welche man im Anfang als eine Curioſität habe ertragen können, nicht bloß keine Aufmunterung, ſondern vielmehr Be⸗ kämpfung und Verachtung verdiene.Er will Andere Muſik lehren, ſagte man,er, deſſen eigene Meiſter⸗ probe Fiasco gemacht hat; welch' eine Unverſchämtheit! WMichael vertheidigte ſich mit Wärme, wurde aber von ſeinen zahlreichen Neidern überſtimmt und verlor einen Gönner um den andern. Schließlich war es ihm nicht mehr möglich, ſeine Lectionen länger fortzuſetzen, und die Schule löste ſich auf.

Dieß war, wie er ſelbſt ſagte, der betrübteſte Tag in ſeinem Leben, denn jetzt wurde ſeine beſte Wirkſam⸗ keit niedergetreten, ſein ſchönſter Plan zu Nichte gemacht; und der Sonnenſchein des Glücks fiel fortan nur noch ſelten recht klar in ſein Herz. Tiefbetrübt zog er ſich in eine der einſamſten Vorſtädte der großen Stadt zu⸗ rück und beſchloß hier für die Erziehung ſeines Sohnes zu leben und zu arbeiten. Mit wehmüthigem Lächeln legte er ſeine Hand auf das Haupt des Jungen und auch er ſagte: Ille laciet(er wird es ausführen).

Dieſer Sohn, den er jetzt zu ſich nach Hauſe ge⸗ nommen hatte, war Marimilian.

Nach dem, was wir bereits wiſſen, verrieth Mari⸗ milian ſchon früh ein lebhaftes Auffaſſungsvermögen und gute muſikaliſche Anlagen, welche beſonders durch ſeine erſtaunliche Tüchtigkeit, alle mechaniſchen Schwie⸗ rigkeiten zu überwinden, ihm ſchon mit neun Jahren den Zunamen: der kleine Paganini, verſchaffte. Der Vater freute ſich herzlich über die glücklichen Gaben ſeines Sohnes, und da er jetzt die Leitung deſſelben an ſich gezogen hatte, wurde es ſein eifrigſtes Bemühen,

1.