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ruf und beſaß jetzt eine Gelegenheit zu freierer Darſtel⸗ lung ſeiner Ideen. Auf dem Katheder und umgeben von ſeinen Schülern, war er auf ſeinem rechten Platz. Inzwiſchen konnte er allerdings über jeden begangenen Fehler in ſchrecklichen Zorn, ja beinahe in Verzweiflung gerathen, aber eine einzige, nach ſeiner Anſicht richtig und gut geſungene Note verſetzte ihn wieder in die vergnugteſte Stimmung. Entzückt über jeden, auch den unbedeutendſten Fortſchritt, träumte er bereits davon, in der Welt der Muſik eine kleine Colonie von Getreuen gegründet zu haben, die ſich allmälig weiter ausbreiten und früher oder ſpäter einmal allen falſchen Geſchmack, alle tändelnden Moden vernichten, einen vollſtändigen Sieg erringen und die Welt beherrſchen würde..
um ſein eigentliches Ziel, das, wie wir wiſſen, auch das Theater umfaßte, noch ſicherer zu erreichen, begann er an einer Erweiterung ſeiner Bildungsanſtalt auch für die Schauſpielerkunſt zu arbeiten. Er war juſt im Begriff, mit Rückſicht darauf große Anordnun⸗ gen zu trefſen, als ein Donnerſchlag ſeinen ganzen Plan zernichtete.
Es kam nämlich ein Brief von ſeinem Banauier, der eine Schlußrechnung enthielt, welche bewies, daß Michael's Vermögen, mit Ausnahme einer höchſt un⸗
pedeutenden Leibrente jetzt bis auf den letzten Stüber
aufgezehrt war. Michael war ein ſchlechter Haushalter geweſen und hatte es namentlich in der letzten Zeit ganz vergeſſen, ſeine Mittel zu berechnen. Seine ganze Muſik⸗ ſchule war eine Freiſchule geweſen, und einige ſeiner Zöglinge erhielten ſogar Bezahlung dafür, daß ſie mit Aufopferung anderer Geſchäfte ihre Lektionen fortſetzten.
Als der freigebige Lehrer ſich jetzt aus Mangel an Mitteln außer Stands geſetzt ſah, ſeine theuere Schule aufrecht zu erhalten, geſchweige denn ſie zu erweitern, da fühlte er ſich ſehr unglücklich. In ſeiner Noth rief er einige hohe und mächtige Kunftfreunde um Schutz an. Er erhielt viele gute Verſprechungen und auch einige


