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kannte, fand er dieſen Tempel ſeiner Träume jammer⸗ voll entheiligt und dermaßen von falſchen Propheten angefüllt, daß die göttliche Wahrheit darin vor lauter falſchen Lehren und Verirrungen keinen Raum mehr finden konnte. Je ernſter er dieſen Gegenſtand über⸗ dachte, um ſo mehr Gebrechen ſah er ein, und um ſo gefährlicher für das Beſte der Kunſt und der Generation erſchien ihm dieſer überhandnehmende Verfall. Er über⸗ ſah nicht, daß die Zeitperiode an Mitteln reich war, aber es grämte ihn tief, daß ſo viele hochbegabte Künſt⸗ ler, ſo manche ausgezeichnete Talente, ſo viel Bildung, Wiſſenſchaft und Fleiß ihre höchſte Kraft für ein ſchlech⸗ tes, ein unwürdiges Ziel opfern, und er glaubte, daß dieß der Fall ſei, ſo lange das Theater noch nicht das geworden, was es ſein ſolle.
Man hat Paleſtrina und ſpäter auch Mozart den Heiland der Muſik, ihren Jeſus Chriſtus genannt. Michael ſtimmte von ganzem Herzen in dieſe Huldigung ein, aber er glaubte, daß die Zeit zu einer Reform jetzt gekommen ſei, und ſein Lieblingsgedanke wurde, einen verdorbenen Geſchmack zu läutern, die verheerenden Fort⸗ ſchritte der Mode zu hemmen, die Tonkunſt auf ihren rechten Weg zur Wahrheit, Einfachheit und Natur zu⸗ rückzuführen, ſodann nachdem das Theater gehörig ge⸗ reinigt und geſäubert wäre, ihr dort einen würdigen Platz zu bereiten. In dieſem Sinn ein Reformator, ein Martin Luther der Kunſt zu werden, erſchien ihm als die ſchönſte, größte irdiſche Beſtimmung, und ſein ganzes Streben ging dahin, in dieſer Richtung zu wir⸗ ken, für dieſe Idee zu leben... Wenn er in ſeinem Enthuſiasmus für ſein großes Ziel ſeine eigene Kraft überſchätzte, ſo muß man doch ſeinen Uebermuth nicht verdammen, ohne ihm auch für einen guten, edlen Willen Rechnung zu tragen.
Michael begann ſein Reformationswerk als Compo⸗ niſt. Er arbeitete mit einem Eifer, einem Ernſt, der kaum ſeines Gleichen kannte, und wäre er in allen an⸗
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