Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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Michael fühlte ſich gegen ſeinen Willen gefeſſelt. Er zog ſeine Uhr heraus, ſie zeigte bereits fünf Minuten über neun.

Was hilft es wohl, wenn ich jetzt gehe? ſagte er, gleichſam als Entſchuldigung vor ſich ſelbſt;ſie iſt jetzt bereits ſeit fünf Minuten abgereist.

Und darauf ſetzte er ſich wieder, um das Stück bis zu Ende zu hören. Nach meiner Ueberzeugung hätte Michael keinen klügeren Entſchluß faſſen können. Als er nach dem Theater heimkam, war Diana verſchwun⸗ den. Er hatte einen genußreichen Abend gehabt und war ohne alle Mühe ein launiſches, ungetreues Weib los geworden Alber er ſelbſt ſah ſein eigenes Glück nicht ein. Er hatte dieſe Diana doch einmal geliebt; er hatte ſich durch große Opfer mit ihr verkettet, und ſie war die Mutter ſeines Sohnes. Es ſchmerzte ihn tief im Herzen, als er ſich jetzt ſo betrogen fand; aber weit entfernt, die Treuloſe zu verdammen, hatte er noch 3 ſeinem Selbſtvorwurfe einen Schild zu ihrer Verthei⸗ igung.

Wenn ich ein beſſerer Mann geweſen wäre, ſagte er,ſo wäre ſie ſicherlich ein beſſeres Weib geweſen.

Nach dieſem Ereigniß überließ ſich Michael noch ungetheilter ſeinen muſtkaliſchen Neigungen, die ſich bei ihm bis zur Leidenſchaft ſteigerten. Er ſezt⸗ ſein Reiſe⸗ leben fort und fand ſich nur im Concertſaal oder im Theater recht heimiſch. Aber er ſaß nicht als gedanken⸗ loſer Zuſchauer da; nein, ſeine ganze Seele war dabei, und was für die Menge nur den Genuß eines Zeitver⸗ treibs hatte, das hatte für ihn den Genuß der Arbeit, der Forſchung. Sein Streben ging dahin, ſich mit allen Schulen, den älteſten wie den jüngſten, bekannt zu ma⸗ chen, der Kunſt in ihrer ganzen Entwicklung zu folgen, den Geiſt und die Bedeutung der verſchiedenen Epochen zu erforſchen und diecharakteriſtiſchen Züge der verſchiedenen Tondichter aller Perioden zu erfaſſen. Aber er begnügte ſich nicht damit, bloß nach hiſtoriſcher Kenntniß, nach