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Diana vermochte ihre neuen Pflichten nicht lange aus⸗ zuhalten. Sie fand darin bloß die Mühe, nicht den Genuß, und ſie gönnte ſich keine Ruhe, bis ſie ihr zartes Kind in fremde, gemiethete Hände übergeben durfte. Ganz beſonders von dieſer Zeit an wird es ſchwer, Etwas zu finden, womit man ihre Fehler ent⸗ ſchuldigen könnte; denn die Frau, deren Bruſt nicht von der Mutterliebe erwärmt wird, iſt ein Scheuſal in der Natur. In ihrer Liebe als Gattin nachzulaſſen, das kann verziehen werden; aber in ihrer Liebe als Mutter untreu zu werden, das iſt ein Verbrechen, das ſich von aller menſchlichen Gutmüthigkeit nicht bemänteln läßt.
Eines Abends— es war in Florenz— wohnte Michael einer Vorſtellung von Figaro's Hochzeit bei. Schon im zweiten Akt übergab ihm ein Theaterdiener ein Billet mit dem Bemerken, daß es etwas ſehr Wich⸗ tiges enthalte. Aber Michael war juſt von der ſchönen Romanze der Gräfin dermaßen hingeriſſen, daß er der Meldung des Dieners keine Aufmerkſamkeit ſchenkte. Er nahm das Billet mechaniſch in Empfang und ſteckte es gleichgültig in ſeine Hoſentaſche. Erſt am Schluß des zweiten Zwiſchenaktes dachte er wieder daran; er zog alſo das zerknitterte Billet hervor, öffnete es und las:
„Mein Herr!
„Ich bin zufällig in Beſitz eines Geheimniſſes ge⸗ kommen, das Sie auf's Allernächſte berührt. In mei⸗ nem Hoitel hat ſchon ſeit längerer Zeit und unmittelbar neben den Zimmern, über welche Sie ſelbſt verfügen, ein engliſcher Lord gewohnt. Er reist heute Abend um neun Uhr ab und Ihre Frau begleitet ihn. Eilen Sie nach Hauſe, oder Sie werden ſchändlich betrogen.“
Michael, der nicht die geringſte Ahnung von der Untreue ſeiner Frau hatte, wurde über dieſe Nachricht beſtürzt. Er erhob ſich ſogleich, um heimzueilen; aber in dieſem Augenblick ging der Vorhang auf, und das herrliche Duett zwiſchen Suſanna und dem Grafen: „Wie kannſt Du mich ſo grauſam quälen?“ begann.


