24⁵
geſtehen, daß er ſich bereits mit ſolchem Eifer in die Muſen verliebt hatte, daß er in ihrer Geſellſchaft ſeine Ehehälfte nicht nur nicht vermißte, ſondern ſogar bei⸗ nah gänzlich vergaß. Die Kluft zwiſchen den beiden Gatten wurde endlich und binnen Kurzem ſo groß, daß bei der geringſten ferneren Erweiterung derſelben das ſchwache Band der Vereinigung gänzlich zerreißen mußte.
Auf dieſe Art verfloſſen mehrere Jahre. Herr Lam⸗ bert und ſeine Frau beſaßen keine beſtimmte Heimath, ſondern lebten beſtändig auf Reiſen. Michael wollte zur Fortſetzung ſeiner Lieblingsſtudien alle in künſtleri⸗ ſcher Beziehung merkwürdigen Städte beſuchen, ſich über die größten Theater des Continents genaue Aufſchlüſſe verſchaffen und mit allen berühmten Muſikern und ſee⸗ niſchen Talenten ſeiner Zeit Bekanntſchaft machen. Diana ihrerſeits hatte gegen dieſe ambulatoriſche Lebensweiſe nichts einzuwenden. Sie fand die Hotels weit behag⸗ licher als ein eigenes Hausweſen. Jeden Tag neue Gegenſtände, neüe Anſichten zu ſehen, das war juſt nach ihrem Geſchmack. Im Uebrigen zeigte ſie ſich auf den allgemeinen Promenaden bezaubernd, dagegen übel⸗ launiſch und grämlich, wenn ſie mit ihrem Mann allein war. Er hinwiederum, der in der Welt der ſchönen Künſte ſo reiche Genüſſe beſaß, betrachtete alles Andere,
auch die üble Laune ſeiner Frau, als eine Nebenſache.
Er begegnete ihr mit unerſchöpflicher Güte, welche ſie höchſt langweilig und einförmig fand; aber er entſchul⸗ digte ihre Laune gerne, wenn er ſich nur in ſein Zim⸗ mer einſchließen oder ungeſtört Theater oder Concerte beſuchen durfte.
Es kam eine Gelegenheit, welche dieſe getrennten Herzen einander wieder näher brachte; als nämlich Diana ihrem Manne einen Sohn ſchenkte. Sie begegneten ſich wieder in dieſem gemeinſchaftlichen Gegenſtand ihrer Zärt⸗ lichkeit, aber auch in dieſer Zärtlichkeit fanden ſich bei ihnen ſo große Verſchiedenheiten vor, daß ſie keine län⸗ gere, innigere Vereinigung darauf begründen konnten⸗


