244
Liebe, einer immer ſchwachen Brücke, auf die man ſich jetzt um ſo weniger verlaſſen durfte, als ſie ihren eige⸗
nen feſten Halt nür in Michael's bethörtem Herzen hatte⸗
Nachdem Diana vom Theater ihren Abſchied ge⸗ nommen(Michael, der fand, daß ſie eigentlich keinen wahren Beruf für die Kunſt beſaß, hatte dieß im Ehe⸗ contract zur Bedingung gemacht), hatte ſie jetzt nur noch für ihren Gatten und ſich ſelbſt zu leben. Wäre ſie im Stande geweſen, die ganze Bedeutung dieſes neuen Lebens aufzufaſſen, ſo würde ſie gefunden haben daß ihr Wirkungstreis jedenfalls groß genug warz aber kaum waren ein paar Monate veyfloſſen, als ſie, des häuslichen Glückes bereits überdrüſſig, die Ehe als einen gar zu engen Käfig zu betrachten anfing. Nur an das wechſelreiche Theaterleben gewöhnt, verſtand ſie es ganz und gar nicht, die Ruhe und den Frieden zu genießen. die ihr jetzt geboten wurden. Sie wurde dabei ſchläf⸗ rig und müde. Allerdings konnte ſie jeden Abend von ihrer Loge aus ihre früheren Kameraden wieder ſehen; aber was ſie vermißte, das waren juſt die Intriguen, die Verſchwörungen, der beſtändige Krieg, der auf der andern Seite des Vorhangs Siege und Niederlagen er⸗ zeugt, die niemals zur Kenntniß des Publikums gelan⸗ gen. Sie vergaß die Liebe ihres Mannes und Alles, was er für ſie geopfert hatte, über dieſer Sehnſucht nach dem alten Krichsleben, und da ſie es nicht über ſich gewinnen konnte, die lieben Waffen wegzuwerfen, ſo wurde Michael bald der erſte Gegenſtand ihrer Streit⸗ luſt. Hätte er mit Entſchloſſenheit und ſtrengem Ernſt ihren erſten Verſuchen, den Schauplatz des Kriegs auf das Gebiet der Ehe zu verſetzen, widerſtanden, ſo hätte er ſie vielleicht bewegen können, die Waffen niederzu⸗ legen; aber er that das nicht, er hatte bereits ſeine Schwäche verrathen, er war eine fügſame Natur und befand ſich beſſer dabei, den häuslichen Stürmen zu entfliehen, als ſie zu bemeiſtern.
um vollkommen ehrlich zu ſein, muß ich auch


