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großen Schöpfungen des Genies, die geſchickt dargeſtellt
wurden, haben meinen Sinn wieder gereinigt. Mein verdorbener Geſchmack iſt veredelt, mein Urtheil be⸗ feſtigt, meine Begriffe von der ſchönen Kunſt als Mit⸗ tel zum höchſten Genuß, zur höchſten Bildung, ſind wahrer geworden. Es hat ſich über mein bisher ſo dunkles Leben eine Morgenröthe verbreitet.
Jetzt erſt ſehe ich die große Bedeutung des Thea⸗ ters recht ein. Dafür zu leben und zu wirken, das iſt das Ziel meines Lebens. Ganz beſonders iſt es die Tonkunſt, die mich eingenommen hat und mein Haupt⸗ ſtudium geworden iſt. Du, der Du mich ſeit unſerer fröhlichen Studentenzeit kennſt, ſagſt vielleicht mit vielen Andern, daß ich immer ein muſikaliſcher Menſch geweſen ſei. Gleichwohl iſt das ein Mißgriff, früher ſaß alles Muſikaliſche bei mir in den Fingern oder auf der Zungez jetzt erſt ſitzt es da, wo es ſitzen ſoll, im Herzen. Lange bin ich ein Muſikant geweſen, jetzt erſt bin ich auf dem Weg, ein Muſiker zu werden.. Ach, mein Freund, dieſe Veränderung hat mir das größte, das beſte Glück geſchenkt, das ein Menſch genießen kann. Ich habe etwas Gutes gefunden und überdieß die Ahnung von etwas noch Beſſerem.
Muß ich alſo nicht mit meinem geringen Platz zu⸗
frieden ſein? Hinter den Pauken habe ich ja meine
beſte Erziehung empfangen. Kurz nach der Zeit, da dieſer Brief geſchrieben
wurde, trat ein für Michael wichtiges Ereigniß ein.
Er erhielt nämlich die Nachricht, daß ſein Vater ge⸗ ſtorben und ihm ein ſehr bedeutendes Erbe zugefallen ſei. Nach der Heimath ſeiner Kindheit zurückzueilen, am Sarge des Verblichenen Thränen der Reue zu wei⸗ nen und in warmen Gebeten um Verſöhnung zu flehen, war das Erſte, was er that. Seine Brüder und Ver⸗ wandten, die ihn ſo lange im Familienkreis vermißt Ein Funken. I. 16


