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nicht im Stande, alle meine Fehler aufzuzählen. Ein ſchlechter Künſtler kann an einem einzigen Tag weit mehr und größere Sünden begehen, als ein anderer Menſch in ſeinem ganzen Leben; und ich, einer der ſchlechteſten, ich bin mehrere Jahre hindurch auch einer der thätigſten geweſen. Ich bin Schauſpieler, Sänger, Muſiker, Maler und dennoch— dennoch ſchlechterdings nichts von allem dem geweſen; das iſt ja entſetzlich. Vielleicht beſteht meine wohlverdiente Strafe juſt varin, daß meine Augen jetzt geöffnet worden ſind, ſo daß ich meine eigene Ernievrigüng ſehen und mich mei⸗ nes verfloſſenen Lebens ewig ſchämen kann. aber nein, es litht ein gar zu großes Glück in dem Bewußt⸗ ſein, eine Wahrheit, wenn auch eine betrübende Wahr⸗ heit, zu finden, als daß dieß eine Strafe ſein könnte. Ich ſuche mich zuweilen vor meinem eigenen Ge⸗ wiſſen zu entſchuldigen. Ich ſage dann, daß meine Er⸗ iehung verwahrlost, meine Jugend irre geleitet worden e. Ich bin wie ein Kind geweſen, das man allein
in einen großen wegloſen Wald hinausgeſchleppt hat.
Ich bin ohne Leitung umhergeirrt, und vielleicht läßt es ſich entſchuldigen, wenn ich, bevor ich den rechten Weg gefunden, manche ſchöne Roſe niedergetreten, manche unreife Frucht gepflückt habe. Aber iſt denn in un⸗ ſeren Tagen das Menſchengeſchlecht ſo tief geſunken, ſo verwirrt, daß auch die Seele des Kindes taub iſt für die Stimme der Natur, daß auch ſein Inſtinkt verpeſtet iſt von den Abſcheulichkeiten des Vandalismus?.. Leider iſt das der Fall!
Ich will nicht behaupten, daß bloß Abenteuerluſt es war, was mich auf die Künſtlerbahn warf, denn ich beſitze jedenfalls etwas meiner Natur Angeborenes, das mich für dieſen Weg beſtimmt hat; aber aus Man⸗ gel an einer Erziehung, die meinen Anlagen entſpro⸗ chen hätte, blieb ich ſhutzlo gegen die Verirrungen der Zeit. Meine lebhafte Einbildungskraft ſchuf mir tauſend verſchiedene Ideale, ohne daß ich jemals ein
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