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Kleinigkeiten wie Gefühl und Geſchmack gar nicht fragte, hörte bloß eine herbe, klangloſe Stimme und war um ſo weniger geneigt, ihm Beifall zu ſchenken, als man zu finden glaubte, daß er immer mit großen Prätentiv⸗ nen auſtrete. Aber ſeine Vielſeitigkeit ließ ſich auch jetzt nicht verleugnen. An den Abenden, wo er ſich nicht auf der Bühne zeigte, ſah man ihn im Orcheſter die erſte Violine ſpielen. Einmal, als der Contrabaſſiſt mitten in der Vorſtellung plötzlich erkrankte, nahm Michael kühn ſeinen Platz ein und überraſchte die kleine Capelle mit einem ganz neuen Talent. Dem Dekorations⸗ maler reichte er manchmal eine hülfreiche Hand, und es wurde allgemein anerkannt, daß man im Don Juan keine recht glänzende Hölle bekommen konnte, ohne daß Michael Lambert den Schwefelregen und die bengaliſchen Feuer arrangirte.
Inzwiſchen war Michael mit ſeiner Stellung nicht zufrieden. Das Theater, an das er gefeſſelt war, hatte einen in jeder Beziehung untergeordneten Werth⸗ Die Armuth des Direktors zwang ihn, Alles für ein gutes Einkommen und ganz und gar nichts für die Ehre zu thun. Er ſelbſt ſowohl als die ganze Truppe ermangelte aller höheren Bildung, alles Schönheitsſinnes, und Jean
Paul's ſchöner Satz, daß die Kunſt nicht das Brod, ſondern der Wein des Lebens ſei, wurde von ihnen auf die ſonderbare Art gedeutet, daß ſie ſammt und ſonders ihre Inſpirationen im Traubenſaft holten. Michael, der mit jugendlicher Kühnheit von einer glänzenden Laufbahn und großartigen Triumphen geträumt hatte, ſah ſehr deutlich ein, daß es in einer ſolchen Geſellſchaft keine Lorbeeren für ihn zu ernten gab. Er beſaß dabei von Natur ein allzu feinfühlendes Weſen, um ſich unter ſolchen Kameraden wohlbefinden oder ſein dermaliges Publikum reſpektiren zu können.
Man kann ſich wundern, daß er bei ſolchen Ge⸗ fühlen gleichwohl ſeine nicht ſehr einträgliche Stelle beibehielt. Man wird ſich nicht länger wundern, wenn


