meiſten liebte, wo ſich kein Weg zeigte. Wo ſollte er ſich zur Ruhe niederlaſſen, er, der nicht begreifen konnte, was Ruhe heißen ſollte? Der Vater wurde inzwiſchen, worüber ſich Niemand wundern wird, immer unruhiger. Ein weiſer Freund rieth ihm, böſe zu werden und ſeinen Herrn Sohn durch Schrecken von der garſtigen Gewohn⸗ heit der Faullenzerei abzubringen. Er verſuchte das Mittel, aber es fiel ſchlecht aus.
Nachdem er Michael mit den ſtrengſten Worten ſein Verſäumniß in den Studien vorgehalten, erklärte der alte Herr, er habe jetzt feſt beſchloſſen, wenn der Sohn nicht in einer beſtimmten Friſt ein beſtimmtes Eramen gemache habe, gänzlich ſeine Hand von ihm abzuziehen; alle Unterſtützungen würden dann aufhören, und er ſolle für ſich ſorgen, ſo gut er könne.
Als der Termin zu Ende war, traf von Michael ein Brief ein, deſſen Hauptinhalt darin beſtand, daß er, da er noch kein Eramen gemacht und folglich von ſeinem Vater keine Unterſtützung mehr erwarten könne, ſich bei einer herumziehenden Theatergeſellſchaft enga⸗ girt habe.
Die Schickſale, die ihn im Anfang ſeiner neuen Lauf⸗ bahn trafen, ſind nicht zu unſerer Kenntniß gelangt. Bloß ſo viel weiß man, daß er ſchon von ſeinem erſten Debüt an ſich als ſehr brauchbares Mitglied bekannt machte. Den einen Abend trat er in einer herzerſchütternden Tragödie auf, am andern wor er Komiker; er ſpielte Liebhaber und alte Onkel, Schurken und Wohlthäter, Könige und Bedienten: Mit einem Wort, er wurde in allen möglichen Stellen verwendet.
Ein paar Jahre ſpäter finden wir ihn wieder als Baſſiſt bei einem unbedeutenden ſtändigen Theater. Seine Stimme hatte nichts Ausgezeichnetes und es wurde ihm wenig Aufmunterung zu Theil. Es gab Perſonen, welche behaupteten, daß in ſeiner Art zu ſingen mu⸗ ſikaliſches Gefühl und Geſchmack ſich verrathe, aber die große Maſſe des Theaterpublikums, die nach ſolchen


