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war eine klare Zuſammenfaſſung ſeiner eigenen Kräfte, ſeiner Neigungen und Affekte.
So verfloß ein Termin um den andern, ein Jahr um's andere. Mit dem Eramen war es jetzt ganz aus.
„Was ſoll aus meinem Michael werden?“ fragte ſich bekümmert der arme alte Lambert, der die vortreff⸗ lichſten Moralpredigten in die Briefe einflocht, die er beinahe mit jeder Poſ ſeinem älteſten Sohn zuſchickte. „Was ſoll aus meinem Nichael werden 2“ fragte er ſich Morgens und Abends. Mein Jonas iſt bereits wohl⸗ beſtellter Kaufmann und mein Chriſtoph hat feſten Fuß im Spinnhaus gefaßt Cer war nämlich Spinnhaus⸗ Secretair); aber Michael, Michael, Gott ſteh mir bei, welch ein Taugenichts!
Das väterliche Herz fühlte ſich durch die Nach⸗ richten, die über den Gegenſtand dieſer betrübten Zwei⸗ fel einliefen, wenig befriedigt, obſchon dieſe Notizen nicht ganz ermangelten, der väterlichen Eitelkeit zu ſchmeicheln. Man hatte nämlich von vielen verſchie⸗ denen Gelegenheiten zu erzählen, wo Michael Aufſehen erregt und ſich den Beifall ſeiner Lehrer ſowohl, als ſeiner Kameraden etworben hatte. Bald hatte er ein neues Studentenlied componirt, das in Aller Mund lebte, bald hatte er beim Kanzler ſelbſt mit wahrhaft artiſtiſchem Geſchmack ein Gemälde arrangirt, und wie⸗ der ein andermal war er bei einem Geſellſchaftstheater als Karl Mvor mit einem Schanſpielertalent aufgetreten, worüber die ganze Stadt in Verwunderung gerieth.
„Dieß Alles iſt ganz gut und ſchön,“ ſagte der alte Herr Lambert,„aber was ſoll wohl in Zukunft aus meinem Michael werden?“
Michael ſelbſt konnte wahrhaftig dieſe Frage weni⸗ ger beantworten, als irgend ein Anderer. Hätte ſich wiſchen Himmel und Erde irgend eine menſchliche Be⸗ ſWſtiung gefunden, ſo wäre er ſicherlich ein eifriger Aſpirant auf dieſelbe geworden, aber jetzt.. wohin ſollte er ſich wenden, er, der diejenigen Gegenden am


