Aufmerkſamkeit den Leiſtungen der Bühne folgen, ja
gänzlich darin leben. Manchmal war er bis zu Thrä⸗ nen gerührt, und in ſolchen Augenblicken verlieh ihm ein ſchönes Lächeln den Ausdruck höchſter Glückſeligkeit. Gewöhnlich war dieſes Entzücken ſehr flüchtig, denn es geſchah ſehr oft, daß er im nächſten Augenblick die ſauerſten Grimaſſen machte, gleich als hätte ihn Jemand hart auf ſeine Hühneraugen getreten. Er ſchüttelte den Kopf, er zuckte die Achſeln, er ſtampfte mit den Füßen, er krümmte ſich wie ein gepeinigter Wurm. Endlich ſchien er ganz von Zorn durchglüht, und nicht ſelten,
mitten unter den glänzendſten Effektſcenen, ſchloß er die Augen und hielt mit beiden Händen ſeine Ohren zu,
oder auch, wenn das ganze übrige Publikum in Thrä⸗
nen zerſchmolz, ſchaute er ſich rings um und lachte ver⸗
ächtlich. Dann konnte wieder eine neue Scene kommen und ihn plötzlich verſöhnen und zufriedenſtellen, ſo daß er auf ein paar Sekunden wiederum von Freude ſtrahlte.
In dieſen wechſelnden Gemüthserregungen lag nichts Affektirtes. Sowohl die Zufriedenheit als das Miß⸗ vergnügen zeigten ſich als ehrliche Wahrheit, und ein aufrichtigerer Theatergaſt wäre ſchwer zu finden geweſen. Aber da jetzt die Aufrichtigkeit etwas höchſt Ungewöhn⸗ liches hier in der Welt geworden iſt, ſo erweckte das eraltirte Männchen Aufſehen, und diejenigen, die ihn bemerkten, wünſchten gewöhnlich auch näheren Aufſchluß über ihn zu erhalten. Dieß war im Allgemeinen nicht leicht. Es gab nur Wenige, die ihn kannten, und dieſe
beſſer Unterrichteten wußten in der Regel nichts An⸗
deres, als daß er ein Phantaſt ſei, über welchen eine Menge ſonderbarer Geſchichten in Umlauf waren.
„Es iſt ein grauköpfiger Künſtler, ein Muſiknarr, ein wahrer Meloman, der in der Welt umherirrt,“ ſagte man.„Sein Name iſt Michael Lambert. Mehrere Perſonen, die ein Genie in ihm zu finden glaubten,
haben ſich für ihn intereſſirt und ihm eine paſſende
Wirkſamkeit zu ſchaffen geſucht. Aber dieß iſt niemals


