Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

226

„Jetzt hätte ich beinahe Luſt, den Vorſchriften mei⸗ nes ſtrengen Arztes Trotz zu bieten ach, das Leben iſt ja doch ſo kurz!. Ich gratulire Ihnen, Herr Graf, für dieſes neue Feld Ihrer Wirkſamkeit und Ihres Edelmuths.“

„Aber ich werde ſchwere Mühe haben,“ antwortete der Graf,„wenn der Liebling des Publikums mit dem Sturz der alten Regierung ſeine Treue bricht.“

„Sie können ſich damit tröſten, daß ſich aus den Ruinen des Alten bereits ein neuer Phönir erhebt,“ er⸗ wiederte Pariſina. Ich intereſſire mich im höchſten Grad für Ihren neuen Schützling, oder darf ich ſagen Lieb⸗ ling.. Mamſell Leopoldine, dieſes gefühlvolle Kind, wird ſicherlich unter Ihrer Leitung die Vollendung der Kunſt erreichen. Seien Sie in Ihren Forderungen nicht ſo ſtreng, ſeien Sie mild und aufmunternd, wie Sie es gegen mich waren, und Sie werden ohne Zweifel von ihr eine Dankbarkeit gewinnen, die ebenſo warm und aufrichtig iſt wie die meinige Ich hätte ſo gern die Bekanntſchaft dieſer jungen Sängerin machen mögen. Grüßen Sie ſie indeß von mir; wir ſind ja Beide Künſtlerinnen, und das will mehr heißen, als leibliche Baſen. Ja, Graf Manfred, bei dieſem ausgeſuchten Bouquet, das Sie mir ſo eben ſchenkten, ſchätze ich Ihr Wohlwollen, aber ich bedarf dieſes neuen Beweiſes nicht, um mich Ihrer zu erinnern. Dagegen würden Sie mir ein Vergnügen machen, wenn Sie es ſtatt deſſen Mam⸗ ſell Levpoldine überreichen wollen. Möge es mir vergönnt ſein, der jungen Debütantin den erſten von den vielen Blumenſträußen zu überſenden, die ſie ſicherlich einernten wird. Unſere Bahnen dürften einmal zuſammentreffen, das ſagt mir eine Ahnung. Vielleicht habe ich dann meine Kräfte wieder gewonnen. Bitten Sie Mamſell Leopoldine, den Tag zu genießen, der herangebrochen iſt; aber ſagen Sie ihr auch, denn eine unerfahrene Künſt⸗ lerin braucht es wohl zu wiſſen, daß eine tiefe Beden⸗ tung in dem Gebrauche liegt, unſere Siege mit Blumen