Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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geſtern der vornehmſten Geſellſchaft der Stadt ein glän⸗ zendes Feſt gab. Wiſſen Sie auch, daß er bei dieſem Feſt die vornehme Welt mit einer jungen Künſtlerin bekannt machte, die mit den herrlichſten Anlagen als Sängerin und Aetrice begabt iſt 2“

„Sollte ich nicht wiſſen, was die ganze Stadt weiß, und was die Morgenjournale mit ſo beredter Stimme auspoſaunt haben! Mamſell Leopoldine ſang beſſer als die heilige Cäcilia je geſungen, ſagt man; ſie erregte ein unerhörtes Aufſehen, und man behauptet, ein ge⸗ wiſſer Baron habe aus eitel Entzücken den Kopf ver⸗ loren. Das Letztere iſt natürlich eine Uebertreibung; denn ich wage zu läugnen, daß eine auf ſolche Art aus⸗ gezeichnete Pernlichkeit einen Kopf zu verlieren habe.“

„Ich höre, daß Sie wohl unterrichtet ſind. Sicherlich iſt auch Ihr Gedächtniß eben ſo ausgezeichnet wie Ihre übrigen Eigenſchaften, und Sie dürften alſo nicht ganz vergeſſen haben, daß einer Ihrer Freunde, der nur zu gut einſah, daß Mamſell Leopoldine eine glänzende Zu⸗ kunft beſitze, einmal, um Sie zu beruhigen, das Ver⸗ ſprechen gab, dieſes Talent von der Bühne auszuſchließen.“

„Mein beſter Baron, ich glaube wirklich, wir könn⸗ ten etwas Angenehmeres thun, als uns an unſere klei⸗ nen Schwachheiten zu erinnern. Wir haben leider einen ganzen Haufen von ſolchen auf unſeren Rücken.“

„Ja, leider bin ich allzu ſchwach geweſen, oder vielmehr mein Herz war allzu ſtark in ſeiner Bewunde⸗ rung für Sie. Ich bin jetzt hart beſtraft worden. Daß Sie Ihrestheils keine Furcht mehr hegen, von einem neuen Stern am Himmel der Kunſt verdunkelt zu wer⸗ den, ſehe ich jetzt, und möglicher Weiſe haben Sie es auch nicht nöthig. Aber Sie ſollten doch von dem zer⸗ malmenden Schiag gerührt werden, den ich Ihretwegen aushalten mußte.“

„So, ſo, Sie haben einen Schlag bekommen, ſagen Sie, wo, von wem, wenn man fragen darf?“

„Ich komme juſt aus dem königlichen Schloſſe, wo⸗

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