Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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Wir haben geſehen, wie dieſer Geſang bei den Zu⸗ hörern Anklang fand, Sympathien und Bewunderung erweckte. Schüchtern und verzagt empfing Leopoldine all' den Beifall, all' die Complimente, die jetzt an ſie verſchwen⸗ det wurden. Der Sieg, den ſie errungen hatte, machte ſie glücklich, aber gleichwohl war dieſes Glück mit ſo viel Wehmuth nenht Sie ſtand ſo allein in dieſem glän⸗

zenden Kreiſe. Das Bewußtſein, daß ſie vor dieſen unbekannten Menſchen ihre Seele enthüllt habe, äng⸗ ſtigte ſie. Es war eine Leere in ihrem Innern. Das— Beſte, was ſie beſaß, die heiligſten Gefühle ihres Her⸗ zens hatte ſie in die Welt hinaus geworfen, ſo däuchte es ihr, und alle ihre Vertrauten waren Fremdlinge... Das arme Mädchen! ſchon bei ihrem erſten Triumph machte ſie die betrübte Erfahrung, daß hinter den blumen⸗ geſchmückten Hyperbeln der Schmeichelei eine geiſtige Armuth ſich verbirgt. Wohl trifft es ſich manchmal, 6 daß man mit vollen Händen dem Künſiler ſowohl Gold 11 als Ehre ſpendet, und meiſtens verlangt er nichts Beſ⸗ ſeres; aber hat er ſein Herz in ſeine Kunſt gelegt, wo 1 findet er dann eine Belohnung?... Die vornehmſten Damen ließen ſich herab, mit gnädigen Zungen der unbekannten Sängerin ihr Wohlgefallen zu erklären. Hochbetitelte Herren prophezeiten ihr eine glänzende Zukunft. Sie war der Gegenſtand allgemeiner Auf⸗ merkſamkeit. Man drängte ſich um ſie, und von allen Sdeiten ſcholl ihr Lob und Dank entgegen. Es verſteht 6 ſich vn ſelbſt, daß ſie ſich dadurch geſchmeichelt fühlen und über ihren Erfolg erfreut ſein mußte, zumal da er eeine glückliche Veränderung in ihrem künftigen Geſchick t wreiſſagte. Gleichwohl beſaß ſie Feingefühl genug, um ſu bemerken, daß der Enthuſiasmus des Augenblicks ſein Leben theilweiſe auch von der Neugierde entlehnte, und mitten in der Pracht des Feſtes, mitten in der reichen Ernte der Lobpreiſungen ſehnte ſie ſich hinein in ihr ſtilles Stübchen, ſehnte ſich nach einer Gelegen⸗ heit, in ſtiller Andacht ihre eigene itee Gott 1