Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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bangen Zweifeln an ihrem Talent gequält war!„ Ihre Unruhe wurde immer größer, je näher die ent⸗ ſcheidende Stunde kam, und als endlich der Augenblick da war, als man kam, um ſie auf die improviſirte

3 Schaubühne zu führen, da wurde ſie von einer ſolchen Angſt ergriffen, daß ſie, ſich ſelbſt überlaſſen, ſicherlich weit von dem gräflichen Palaſt eutflohen wäre. Die Erinnerung an den unglücklichen Probegeſang vor der Theaterdirection zermalmte ihren Muth gänzlich, ſie mußte beinahe auf die Scene getragen werden, und Alle, die ſie umgaben und ſahen, welches gewaltſame Zittern ihre Glieder erſchütterte, entſagten jeder Hoff⸗ nung. Aber der Lehrer, der ſie beſſer kannte, ſchob alle Waſſergläſer und ſtärkende Tropfen auf die Seite, riß ſich aus ihren Händen, die ihn zurückhalten wollten, los, machte Platz auf dem Theater und gab in dem⸗ ſelben Augenblick dem Orcheſter das Zeichen zum An⸗

fang.

Dieß war kühn aber wohl berechnet. Mit den mil⸗ den Tönen der Muſik kehrte die Harmonie in Leopoldinens aufgeregte Serle zurück. Nichts Anderes hätte ſie ſo vollſtändig beruhigen können. Vor ihrer Phantaſie ſtan⸗ den bald nicht mehr die jinſteren, drohenden Ahnungen⸗ Die Furcht vor dem Mißlingen, der beunruhigende Ge⸗ danke an die Wichtigkeit des Augenblicks verſchwand. Es war nicht mehn ein Moment ſelbſtſüchtiger Berech⸗ nung; über ihren Gefühlen vergaß ſie ihr Intereſſ⸗ Die Wegziehung des Vorhangs bemerkte ſie nicht und eben ſo wenig alle die Blicke, die ſich auf ſie richteten. Es kam ihr vor, als wäre ſie mehrere Jahre in di Zeit zurückgeſetzt in das träumende Leben in ihren mütterlichen Hauſe. Die Blumen deuteten ihr jetzt wi früher ihre Sagen. Eine Centnerlaſt fiel von ihre Bruſt, als ſie ihren Lobgeſang auf die erhabene Schöm heit der Natur ſingen dürfte, Es waren ihre eigen Gefühle, die ſie ausgoß. Die Inſpiration ging von ihrem eigenen ſchwellenden Herzen aus. 5