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keinen Ruf, nach welchem man ſie, wie ſo oft geſchieht, zum Voraus und ohne Prüfung hätte beurtheilen kön⸗ nen. Kein Neid hatte noch ſeinen giftigen Stachel gegen ſie gerichtet. Sie hatte allerdings keine Gönner, auf die ſie ſich verlaſſen konnte, aber ſie hatte auch, und das iſt noch mehr, keine Coterien zu befiegen. Sie kam, man wußte nicht woher; man wurde von ihrem Talent überrumpelt und wagte ein einziges Mal in Entzücken zu gerathen, ohne daß man wußte, ob dieß comme il faut war.
Ueberhäuft von Dankſagungen und Lobſprüchen und mit tauſend Fragen beſtürmt, entfernte ſich Graf Manfred, kam aber nach einer Weile zurück, den Ge⸗
enſtand der allgemeinen Bewunderung an der Hand ſhlend. Er führte jetzt Mamſell Levpoldine vor.
Ja, es war wirklich Leopoldine, unſere verlaſſene, arme, herabgeſtimmte Freundin, die in dieſem Augen⸗ blick vor der glänzendſten Geſellſchaft der Hauptſtadt
ſtand, von hundert Zungen geprieſen und geſchmeichelt. Sie war es, die man ſo eben als Flora bewundert; ihre Schönheit, ihr Talent waren es, die ſo viele Her⸗ zen gerührt hatten, ſo daß ſie noch jetzt hoch klopften vor Entzücken.*
Durch ihren Lehrer war Leopoldine dem Grafen Manfred vorgeſtellt worden, als der Letztere den Wunſch zu verſtehen gegeben hatte, mit der geſchickten Schüle⸗ rin Bekanntſchaft zu machen. Der Graf, dem es nicht an Urtheil fehlte, war wirklich von ihrem ungewöhn⸗ lichen Talent überraſcht worden und erkannte daſſelbe um ſo bereitwilliger an, als es juſt in ſeinem Privat⸗ intereſſe lag, eben jetzt eine Künßtlerin zu finden, die ſeine Protection verdiente. Von ſeinen Lobſprüchen auf⸗ gemuntert und auf das Zureden ihres Lehrers hatte Leopoldine ihre Mitwirkung zu dem großen Feſte ver⸗ ſprochen Welche Stunden der Freude und Hoffnung, des Bebens und der Angſt hatte nicht dieſe Zuſage ihr bereitet, die ihrer Kraft noch ſo ungewiß, noch von ſo Ein Funken. I. 14


