Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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kommen. Herrlich ſtrahlten die Blumen um ſie her, aber ſie gewann den Sieg über alle; ſie war die Schönſte in ihrem Reiche.

Die Muſfik ging jetzt durch einige phantaſtiſche Mo⸗ dulationen in eine andere Tonart über und ahmte das feierliche Gebrauſe einer Orgel nach.

Ein Zittern durcheilte die feinen Glieder der jun⸗ gen Flora. Sie ſchien aus ihren Träumen zu erwachen, ſie legte ihre Hände zuſammen und richtete den Blick zur Höhe empor. Sie lauſchte der Muſik. Man ſah, wie die Töne zu ihrer Seele ſprachen und immer mehr ihre Gefühle belebten. Es war, als ob ſie von den ſie umſchwebenden Harmonien lernte, ihrem eigenen, allzu vollen Herzen Luft zu verſchaffen, ihren Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Ihre Lippen öffneten ſich, ein Seufzer ſchwebte darüber; darauf erfolgte ein Ton, ſo rein und klar, als wäre er der erſte Ausruf eines zur Erde herabgeſtiegenen Engels, und ſodann ſtimmte ſie, gleichſam von einer unwiderſtehlichen Inſpiration er⸗ griffen, einen herrlichen Lobgeſang auf die ewige Schön⸗ heit der Natur an. Es lag eine Andacht, ein Gebet in dieſem Geſang, dem die Kraft inzuwohnen ſchien, alle Thore des Himmels zu öffnen.

Des Geſanges mächtiger Geiſt erwärmte ſie immer mehr. Eine höhere Röthe breitete ſich über ihre Wan⸗ gen. Das gen Himmel gekehrte Auge ſenkte ſich wie⸗ der und iht⸗ mit ſchweſterlicher Zärtlichkeit auf den Blumen, die ſie umgaben. Sie beugte ſich zu ihnen hinab, ſah vertraulich in ihre wechſelreichen Kelche, nickte ihnen wie alten guten Freunden zu und brach mit koſen⸗ der Hand die ſchönſte von der bunten Schaar. In lebhaft malenden Tönen beſang ſie dabei, wie jede Blume von der ewigen Liebe der Götter gegen die Sterblichen zeuge, und wie jede die Kraft erhalten habe, der Erde ein neues Glück, eine neue Freude zu bringen, die eine nähre die Flamme der Liebe, eine andere bringe den milden Troſt der Freundſchaft. Die Mächte der Erinnerung und der