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Bald wurde die Aufmerkſamkeit nach einer neuen
Richtung gelenkt, als die Töne von einem verborgenen Orcheſter die Luft durchbrausten. Die Muſik wurde in einem ſchwachen Piano ausgeführt und ſchien einen Chor von Aeolsharfen darzuſtellen. Zuweilen erſtarben
die vibrirenden Töne beinahe ganz; zuweilen dagegen
wurden ſie ſtärker, gleichſam von einem friſcheren Wind⸗ hauch belebt, und die Harmonien erſchollen volltönen⸗ der, um von Neuem in einem ſtillen Geiſtergeflüſter zu erſterben. Allmälig wuchs die Stärke eines oft wieder⸗ kehrenden Akkords, und daraus ging endlich mit noch zögernder Kraft eine liebliche, milde und ſchwär⸗ meriſche Melodie hervor.
Jtetzt fiel der Vorhang im Hintergrund wie eine lichte Wolke zur Erde, und in dieſem Augenblick bot ſich eine bezaubernde Scene dar.
Unter dem von Weinranken gebildeten Gewölbe er⸗ ſchien auf einer ſtark beleuchteten Erhöhung eine wunder⸗ ſchöne Flora. Sie ſtand unter Hecken und Gruppen von den herrlichſten Blumen und hatte eine Haltung von vollendeter Anmuth angenommen, ſo ruhig, ſo natürlich und eben darum ſo edel. Iſt es wohl mög⸗ lich, daß es nur ein Bild iſt? fragte man beim erſten Anblick, und als man bald entdeckte, daß ſie natür⸗ liches Leben beſaß, fragte man wieder: Iſt es wohl möglich, daß es nur ein Menſch iſt? Ihr ſtrah⸗ lender Blick ruhte nachdenklich, oder vielmehr träume⸗ riſch, auf einer Roſe, die ſie in ihrer Hand hielt. Es ſchien, als leſe ſie auf den Blättern der Roſe liebliche Kindheitserinnerungen, denen ſie freundlich zulächeln müßte, obſchon ſie eine ſtille Wehmuth in ihrer Seele weckten. Ihre feine Geſtalt, würdig der ätheriſchen Gattin Zephyr's, beſaß plaſtiſche Schönheit und Har⸗
monie. In reichen Falten drapirte ſich das weiße, nach
antikem Muſter getragene Kleid. Ein Blumengürtel umſchlang die geſchmeidige, ſchlanke Geſtalt, und die Form der gänzlich entbloößten Arme war höchſt voll⸗


