Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

199

daß ein mächtiger Gönner, wenn man unvorſichtig ge⸗ nug iſt, ihn zu beleidigen, ſich in den gefährlichſten Feind verwandeln kann. Ich meinte es gut, als ich Ihnen einmal meine Protektion ſchenkte; ich war ein aufrichtiger Bewunderer Ihrer Schönheit und Ihres Talents; aber Sie vertrauten mehr auf andere Gönner und ließen ſich verleiten, mich zu verkennen. Bei meiner Ehre, das ſoll Ihnen theuer zu ſtehen kommen; Sie ſollen einmal erfahren, wen Sie beleidigt haben. Noch ein Hurrahruf, welche Narren! Heute jubeln ſie einer Tänzerin zu, morgen einem Tyrannen und über⸗ morgen vielleicht einem Galgenvogel; und dennoch, den⸗ noch gibt es Viele, die bereit wären, für einen einzigen Hurrahruf ihre Gedanken, ihre Worte und Handlungen zu verkaufen. Hahaha, ich muß mich in den Haufen miſchen und dieſem guten Zweck die Kraft meiner eigenen Lunge opfern.“

Als er ging, zog er den Mantel noch dichter um ſich, um nicht erkannt zu werden.

Es gibt Herzen, von denen man nicht mit Beſtimmt⸗ heit ſagen kann, ob ſie warm oder kalt ſind. Was ſich bei ihnen in der einen Stunde Liebe nennt, das iſt in der andern Haß, aber immer, immer iſt es Leidenſchaft. Ein ſolches Herz hatte Graf Manfred, und dabei war ihm in hohem Grad diejenige Art von Eitelkeit eigen, die beſtändig nach neuen Eroberungen dürſtet und ihre Ehre darein ſetzt, die Gunſt jeder aus irgend einem Grunde fetirten Frau zu gewinnen. Signora Pariſina hatte ſeine Sinne lebhaft bezaubert, und die allgemeine Huldigung, die ihr erwieſen wurde, hatte ſein Verlangen, den erſten Platz unter ihren vielen Bewunderern einzu⸗ nehmen, noch mehr geſteigert, zumal da er dadurch auch ſein Anſehen als Kunſtfreund und Mäcen zu erhöhen glaubte. Daß er auch wirklich wenigſtens einen Augen⸗ blick dem Herzen der ſchönen Tänzerin ſehr nahe ge⸗ ſtanden, wiſſen wir bereits, und ebenſo wiſſen wir, daß ſie, irregeleitet von einem ſelbſtſüchtigen Rathgeber, Arg⸗