Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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die thörichten. Eine Buſennadel, die hundert Reichs⸗ thaler Banko koſtet, ſo einem Landſtreicher zu ſchenken, ploß dafür, daß er auf einem Clavier klimpern oder in eine Trompete tuten kann, das iſt ja verruͤckt.“

„Das Talent aufzumuntern,“ wandte Abſalon ein, „hat zu allen Zeiten für eine würdige Aufgabe der vor⸗ nehmeren und reicheren Claſſen gegolten.“

„Das iſt eitel Narrheit! Es iſt modern geworden, der Kunſt zu huldigen, und deßhalb wird unſer ganzes Land von nichts als Kunſt überſchwemmt. Es gehört zum guten Ton, das Theater fleißiger zu beſuchen als die Kirche. Muſikanten, Seiltänzern, Taſchenſpielern opfert man den letzten Heller, um hernach mit ſeiner ſuperfeinen Bildung prahlen zu können; aber das Ge⸗ bührliche, das Anſtändige vergißt man, bloß um dem großen Haufen weiß zu machen, daß man wirklich etwas verſtehe, was kein Menſch begreifen kann. Ich erinnere mich noch, wie man ſich juſt in unſerem Städtchen vor ein paar Jahren geberdete, als die ausgeſchrieene Sän⸗ gerin da war, nun, wie hieß ſie doch?“

„Madame Tremolando.“

„Ja, ganz richtig, Madame Tramolinder. Sie gab ihr Conzert in der großen Kirche ſelbſt und ſtand ſo ſchamlos da und ſang ungöttliche Opernmelodien mitten vor dem Altar. Ohne alle weibliche Beſcheiven⸗ heit überſchrie ſie die ganze Stadtmuſik, und unſere jungen Herren, nein, das vergeſſe ich nie, die ſprangen auf den Kirchhof hinaus und pflückten Blumen, welche ſie dann unter Händellatſchen, Geſtampfe und Geſchrei dem garſtigen Ding zu Füßen warfen. Ich ſagte auch zu meinem Mann, der im Kirchenrath ſitzt, es ſei ein⸗ fältig vom Kirchenrath, einen ſolchen Auftritt zu er⸗ lauben; ſagte ich nicht ſo, Erasmus?“

„Man kann aber das nicht leugnen, daß Madame Tremvlando eine Stimme hatte, die durch Mark und Bein drang, und unter ſolchen Umſtänden dürfte man wohl nicht all

zu ſtreng ſein, wenn der Enthuſiasmus über⸗