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hand nimmt und das Gefühl den Verſtand überſtimmt. Jedenfalls iſt die Eingebung des Augenblicks oft weit erhebenver als alle Vorurtheile.
An dem Ton, womit der Notar dieſe Aeußerung that, hörte man deutlich, daß er nicht ohne einige Bangigkeit eine ſo entſchiedene Oppoſition gegen Frau Regina wagte. Aber er hatte ſeine Gründe, warum er ſowohl Muth als Geſchmack zeigen wollte.
Nachdem Frau Regina mit einem ihr eigenthüm⸗ lichen verächtlichen Schnauben ihrem Verdruß Luft ge⸗ macht hatte, ſagte ſie mit einer gewiſſen feierlichen
uhe:
„Wenn ich Ihre reinen Sitten und Ihren achtungs⸗ werthen Charakter nicht ſo genau kennen würde, Herr Notar, ſo würde die Aeußerung, die Sie ſo eben thaten, mir wegen des intimeren Verhältniſſes, das zwiſchen Ihnen und meiner Familie vorherrſcht, große Beſorgniſſe einflößen.“
„Madame, ich wage es zu behaupten, daß Sie mich mißverſtanden haben!“
„Ich kann Sie wenigſtens verſichern, daß meine Mädchen Sie gar nicht verſtanden haben. Sie werden mit Gottes Hülfe niemals ihren Verſtand durch ihre Gefühle übertäuben laſſen, und den Enthuſtasmus habe ich ihnen ausgetrieben, als ſie noch klein waren. Glauben Sie mir, die Menſchheit wäre ſiebenmal glücklicher, wenn man ſich nicht von romantiſchen Grillen hätte irre führen laſſen, und die Kunſt, die Sie jetzt ſo eifrig vertheidigen, was iſt ſie denn anders, als der Samen zu ſolchem Unkraut? Bedenken Sie, wenn Sie einmal eine ſolche romantiſche Seele heirathen müßten, wie Sie ſelbſt ſo plötzlich eine geworden ſind. Gott bewahre mich vor einem ſolchen Hausweſen. Schmutziger Boden, zerlumpte Kinder, angebrannte Speiſen; das iſt die Poeſie im Alltagsleben.“
„Aber wollen Sie denn alle Poeſie, alle Talente von dem häuslichen Leben verbannen, z. B. die Muſik?“


