Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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duftende Urne ſtand. Um den Sophatiſch ſaßen Frau Regina, die Mamſellen Roſina und Lilia, ſowie ein junger Mann, der Notar Abſalon. 2

Ich bitte um Erlaubniß, einen Augenblick die Auf⸗ merkſamkeit auf dieſe Perſon lenken zu dürfen. Der Notar Abſalon war ein Mann von ſchwellender Geſund⸗ heit und Jugendkraft, rothwangig und ſehr beleibt. Ueber ſeinem niedrigen Halstuch ſtachen wenigſtens drei üppige Kinnwulſte hervor, und die hellen, reichen Locken bildeten um ſein Haupt eine gewiſſe Glorie. Unter den jungen Männern in x. nahm er eine ausgezeichnete Stelle ein. Er that dieß aus dem doppelten Grund, weil er ein elegantes Mitglied der beſten Soecietät des Städtchens und zu gleicher Zeit im Vergleich mit ſeinen Mitbrüdern in ökonomiſcher Beziehung wohl rangirt war. Wenn junge Männer ſonſt ihre Renten berechnen, ſo verſtehen ſie gewöhnlich darunter ihre Schulden; Abſalon dagegen war, Dank einem kleinen väterlichen Erbe, in der glücklichen Lage, ſeinen Credit nicht in Anſpruch nehmen zu müſſen. Im geſellſchaftlichen Leben beſtach er die jungen Damen durch eine ſorgfältig aus⸗ gewählte Toilette, ein artiges Benehmen und zuweilen kleine Coufektdüten. Geſchah es einmal, daß die Eine oder die Andere der kleinen Unſchulden klagte, er habe wegen ſeiner maſſiven Geſtalt etwas ſchwer gewalzt, oder behauptete, er ſei im Allg meinen zu korpulent, um den ätheriſchen Idealen eines Mägdleins entſprechen zu können, ſo bekam ſie ſogleich von einer verſtändigen Mutter oder einem klugen Vater die Zurechtweiſung: Liebes Kind, er beſitzt ja eine Windmühle gleich außen vor dem Zollhaus. Inwiefern eine Windmühle Einfluß auf die Sympathie eines Herzens ausüben kann, will ich ungeſagt laſſen; aber ſo viel ſteht feſt, daß Notar Abſalon ſowohl von den jungen als von den alten Damen ſehr geſucht war. Frau Regina beſonders in⸗ tereſſirte ſich höchlich für ihn, und als die umſichtige Mutter zweier heirathsfähigen Töchter ging ſie mit