Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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bin glücklich geweſen, auch ich habe das Leben geliebt. Gott wird ſeine ſchützende Hand von meinem Liebling nicht abziehen. Die Stimme einer Mutter hört ſie bald nicht mehr; aber eine Mutterliebe ſtirbt nicht mit dem Leben. Sie wird nicht allein bleiben. Vom Himmel herab werden meine Blicke ihr folgen, mein Geiſt wird ſie leiten, wird ſie vor der Gefahr warnen, wird ſie im Kampfe ſchützen und ſtärken; um ihretwillen werde ich noch auf der andern Seite des Grabes dieſe Erde lieben, wo ſie wandelt.

Und Du, Erasmus, ich weiß, daß ich nicht ver⸗ gebens zu Deinem Herzen rede, Du wirſt hienieden ihre väterliche Stütze werden. Das verwaiste Kind wird in Dir ſeinen Schützer finden. O ſei mild, ſei gut, ſei immer edel! So wird ihre Bahn hell und leicht werden, ich werde nicht mehr mit meiner Düſterkeit, meinem Kummer Schatten über ihr junges Leben breiten. Die Erinnerung an mich wird ihr mehr Freude ſchenken, als das, was ich ſelbſt thun konnte, und endlich einmal, wenn auch ſie vom Leben gelernt hat, zu ſterben, dann werden wir alle wieder dort oben in einer beſſeren Heimath uns verſammeln.

Geliebter Bruder, laß mich noch einmal, das letzte⸗ mal, Dich wiederſehen! Noch kann ich einige Tage leben, aber zögere nicht zu lange, denn meine Zeit iſt kurz. Auf Dich und mein Kind will ich meinen letzten Blick heften, damit meine letzte Erinnerung an die Welt an⸗ genehm ſein möge; mit noch warmer Hand will ich Leopoldine in Deine Arme legen und mit noch klopfen⸗ dem Herzen will ich Dich lehren, ſie zu lieben.

Liebreich und innig iſt mein Abſchiedsgruß an Deine Frau. Sie, die ſelbſt Mutter iſt, wird leicht verſtehen, mit welchen warmen und herzlichen Bitten ich mein Kind auch ihrer Pflege übergebe. Im Himmel wird jede Sorge, jedes zärtliche Gefühl, das ſie der Vater⸗ und Mutterloſen weiht, gerechnet werden.