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Bruſt hat ſich in den letzten Monaten ſo verſchlimmert, daß ſie es höchſt wahrſcheinlich nicht mehr lange treibt.. Ich wilt Euch ihren Brief vorleſen.“
Mein lieber Erasmus— ſo begann dieſer Brief— es wird Dir gewiß ſchwer werden, in dieſen mit matter und zitternder Hand niedergeſchriebenen Zeilen die Schrift Deiner Schweſter wieder zu erkennen, und doch iſt es ſo. Ja, lieber Bruder, der Abend meines Lebens iſt bereits gekommen, und es wäre vergebens, wenn ich mich ſelbſt oder Andere mit der Hoffnung auf die Wieder⸗ kehr meiner Kräfte täuſchen wollte. Meine Tage ſind gezählt, ich fühle es; der Tod hat vereits ſeine Hand an mein Herz gelegt.
Die Zeit iſt ein Strom, ſagt man. Ja wohl, ein Strom, und wir Menſchen ſind die Blumen und Bäume, die an ſeinem Ufer wachſen. Der Lauf des Stromes iſt unaufhaltſam, raſt- und ruhelos, und ob ſein Blick klar oder trüb iſt, ſo liegt doch beſtändig in ſeinem Sinn derſelbe Hang zur Verheerung. Dieſe niemals ruhen⸗ den Wogen dringen Tag für Tag tiefer unter dem Uferbette ein. Manche Blumen werden ſchon in ihrer Knoſpe weggeriſſen. Die Wurzeln der Bäume werden untergraben, und die Baume verlieren ihren feſten Halt. Immer mehr neigen ſie ihre ſtolzen Kronen gegen ein weit offenes Grab, und endlich bedarf es nur eines ſchwachen Windhauches, um ſie zu fällen, die früher den Kampf gegen den ſtärkſten Sturm aushielten. So iſt das Leben. Aber der Strom iſt doch nicht gegen uns Alle gleich gewaltſam. Ich erhielt vom Schickſal meinen Platz neben einer ſtärkeren Strömung; deßhalb waren meiner Tage ſo wenig, deßhalb iſt jetzt die Cwig⸗ keit ſo nahe. Ach, einſt träumte ich vom Leben, zur Zeit, wo ich als Kind umherſprang und in dem Gärt⸗ chen unſerer Mutter nach Schmetteriingen jagte. Es war ein ſchöner Traum, denn er war unſchuldig. Später kam die Wirklichkeit, und ſie trug andere Farben. Aber ich klagte doch nicht über das Loos, das mir beſchieden


