Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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ſich entſcheiden konnte, welcher von Beiden er den Vor⸗ zug ſchenken ſollte.

Die Arbeit ging raſch von Statten. Die Nadeln flogen geſchwind durch die dicke Baumwollenwatte nach den Zeichnungen, die man mit Hülfe einer Theeſchale angebracht hatte. Aber daß nicht allein die Finger ſich bewegten, ſondern auch die Zungen, das verſteht ſich von ſelbſt; nähen ohne Plaudern iſt daſſelbe wie mar⸗ ſchiren ohne Muſik.

Juſt während man im beſten Zuge war, trat Eras⸗ mus ein. Er ſchien dieſen Abend gedankenvoller und bläſſer als gewöhnlich. Ehe er ein einziges Wort hatte ſagen können, hatten die ſchnellen Blicke der Mädchen bereits entdeckt, daß er einen Brief in der Hand hielt. Etwas neugierig riefen ſie eine um die andere:

„Ei der Tauſend, ſieh, Papa hat einen Brief be⸗ kommen— von wem mag er fein? was mag er ent⸗ halten— vielleicht iſt er von.. oder vielleicht von...4

Dabei warfen die beiden Schweſtern einander be⸗ deutſame Blicke zu, die augenſcheinlich auf Freiwerbung andeuteten; ſie hatten überhaupt große Luſt, einander zu necken.

Auch Frau Regina erhob ihre Blicke von der Nähterei.

„Ja wahrhaftig, ein Brief,“« ſagte ſie und ſtreckte die Haud aus.„Wer ſchreibt Dir, Erasmus 2“

Mit ſeiner gewöhnlichen Gelaſſenheit ſetzte ſich Eras⸗ mus auf einen Stuhl und antwortete in weichem und ernſtem Tone.

„Ich habe von meiner armen Schweſter Johanna einen Brief bekommen.

„So, ſo, von Johanna,“ ſagte Frau Regina mit einem gnädigen Seufzer. Was macht die arme Frau? Vermuthlich geht es ihr ſchlecht was ſagt ſie wohl von dem Kleid, das ich ihr geſchickt habe? Es war wahrhaftig ſo gut wie ganz neu auf der Kehrſeite.“ — Johanna iſt krank, fuhr Erasmus fort. Ihre