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breitete ihre Eisrinde über ſein warmes Herz. Die Flöte lag unberührt in einer Ecke des Schrankes; die Elegien erfreuten ihn nicht mehr. Er fand ſich allein und unverſtanden, ein Fremdling unter den Seinigen. Mit den Jahren wurde er noch verſchloſſener, und eine gewiſſe Grämlichkeit verſchleierte ſeine natürliche Güte. Aber wie geſagt, unglücklich war Erasmus nicht. So verfloſſen viele Jahre.
Eines Winterabends(es war jetzt bereits mehr als dreizehn Jahre, ſeit Johanna Wittwe geworden), ſaß Frau Regina mit ihren beiden Töchtern— Roſine und Lilia— Roſe und Lilie, wie es zuweilen hieß— nach ihrer Gewohnheit fleißig arbeitend in dem ſogenannten Alltagszimmer. Sie waren beſchäftigt, einen Teppich zu ſticken, der in einem großen Nährahmen aufgeſpannt war. Frau Regina war bedachtſam, das darf man glauben, und ſie wollte zu guter Zeit die Ausſteuer der Mädchen in Ordnung haben, damit, wenn einmal die Gelegenheit käme, Alles vorbereitet wäre. Dieſe Aus⸗ ſteuer bildete den Gegenſtand ihrer täglichen Geſpräche und Ueberlegungen. Man nähte und wob über Hals und Kopf. Wenn ein Mädchen nur eine eheliche Aus⸗ ſteuer hat, ſo bekommt ſie immer einen Mann, das war die ohne Zweifel ſehr richtige Ueberzeugung dieſer Mutter.
Sowohl die Roſe als die Lilie ſtanden jetzt in voller Blüthe. Sie waren zwei große, friſche und kräftige Mädchen, nach der Methode erzogen, die es hauptſächlich darauf abſieht, tüchtige Hausmütter zu bilden. Sowohl in ihrem Aeußeren, als in ihrem Innern waren ſie einander merkwürdig gleich, gerade wie zwei mit dem⸗ ſelben Gepräge und aus demſelben Metall geſtempelte Munzen; und man konnte ſich leicht vorſtellen, daß ein Freier in große Verlegenheit kommen mußte, bevor er


