Erasmus und ſein Haus. Mein Urtheil iſt gefällt. Ich beklage mich nicht.
Palis qualis.
In ihrem Geburtsort, dem Städtchen, hatte Jo⸗ hanna einen Bruder. Er hieß Erasmus und war diel älter als ſeine Schweſter. Ein ſo guter und freund⸗ licher, ſo frommer und ſtiller Mann wie er iſt eine höchſt ungewöhnliche Erſcheinung. Und wer iſt Schuld daran? Ei, die Schuld habt aller Wahrſcheinlichkeit nach ihr, meine jungen Damen, denn wenn ihr ſolchen Charak⸗ teren im Allgemeinen mehr Aufmunterung ſchenktet, ſo würden ſie gewiß nicht ſo ſelten ſein. Was ſein Aeußeres betraf, ſo beſaß Erasmus allerdings keine Schönheit, die ihm ſelbſt oder Andern ein Vergnügen machen konnte. Er war unleugbar ſehr häßlich und die lange, ſchmalbeinige, ſteife Figur glich eider Hopfen⸗ ſtange, und wenn man die Schläfrigkeit, die auf ſeinen faden Zügen ruhte, und die Schwerfälligkeit ſeines gan⸗ zen Weſens in Betracht zog, ſo war es ſehr entſchuld⸗ bar, wenn man ihn auf den erſten Blick für ein wenig einfältig hielt; dagegen war es unverzeihlich, wenn man nicht bald entdeckte, daß ein waries und grundehrliches Herz in dieſer dünnen Bruſt wohnte. Erasmus war ſeinen Gefühlen nach Poet und hatte lebhafte Sym⸗ pathien für alles Schöne. Aber das Schickſal, das vermuthlich einſah, daß unſere Erde bereits Ueberfluß an Schwärmern und Phantaſten beſitzt, geſtattete ihm nicht, ſich dem träumeriſchen Leben hinzugeben, das ihm am meiſten behagt haben würde, ſondern führte ihn ſtatt veſſen auf die prakiiſche Bahn.
Noch als Jüngling wurde er als Buchhalter von


