Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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Zwang und dumme Einfälle zwiſchen den Zähnen mur⸗

melnd. „Ein verwöhntes Kind,“ ſagte der Kämmerer lächend

zu Johanna,„aber lebhaft wie Feuer und, auf meine

Ehre, ein wahres muſikaliſches Genie.“

Es war eine Schwachheit des Kämmerers, daß er mit ſeinem Pflegeſohn prahlen wollte. Die ungewöhn⸗ lichen muſikaliſchen Talente des Jungen und ſeine früh⸗ zeitigen Fortſchritte in der Kunſt, hatten ihn zu einem der Wunder in der Stadt gemacht. Alle Welt verhät⸗ ſchelte den„kleinen Paganini,“ und der Kämmerer, der das Vateramt eigentlich nur gegen eine jährliche Baar⸗ zahlung übernommen, hatte den Jungen jetzt ſo lieb⸗ aewonnen, daß er die ganze Eitelkeit eines wirklichen Vaters hegte.

Als Marimilian ſeine Geige geholt hatte, trat er mit einer Haltung auf, die einem Concertmeiſter Ehre gemacht hätte. Seine Geſchicklichteit war unleugbar für ſeine Jahre erſtaunlich.

Raſch und ungezwungen handhabte er ſeinen Bogen und führte mit Fertigkeit viele ſchwere Kunſtgriffe aus. Dabei war der Ton rein und angenehm. Gleichwohl konnte man bemerken, daß er jetzt mit einer gewiſſen Gleichgültigkeit ſpielte, wie wenn er es nicht der Mühe werth gefunden hätte, vor einem ſo kleinen Publikum ſich anzuſtrengen.

„Nicht wahr,“ flüſterte der Pflegevater halblaut, „er iſt ein wahres Wunderkind, ein kleiner Paganint? Er iſt bereits gewöhnt, vor größeren Geſellſchaften auf⸗ zutreten, und überall wird er mit Lob überhäuft. Uebri⸗ gens artet er bloß ſeinen Eltern nach, denn ſein Vater iſt ein berühmter Muſikus, und die Mutter gehört eben⸗ falls der Kunſt anz ſie iſt Schauſpielerin. Seit meine ſelige Frau mich verlaſſen hat, iſt dieſer Junge meine einzige Freude. Hören Sie, welch' ein Lauf auf der G Saite! und er iſt nicht über vierzehn Jahre alt. Vor⸗ trefflich! bravo! braviſſimo! mein lieber Maximilian!“