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der Kämmerer, der ſelbſt Wittwer war, ſpeculire heim⸗ lich darauf, das Herz, oder wenigſtens die Hand der ſchönen, jungen Wittwe zu erobern. Dem ſei wie ihm wolle, ſie ſelbſt hatte niemals irgend eine Aeußerung von ihm als eine Andeutung auf ſolche Pläne aufgefaßt, und es wäre wirklich auch für einen kühneren Mann, als der Kämmerer war, ſchwer geweſen, als Freier bei einer Frau aufzutreten, deren ganzes Weſen ſo deutlich zu erkennen gab, daß ſie mit unerſchütterlicher Treue einzig und allein ihren Erinnerungen angehörte.
Auf ſeinen Reiſen brachte der Kämmerer gewöhnlich ſeinen Pflegſohn mit, einen munteren, lebhaften Jungen.
Einmal, bei einem dieſer Beſuche, hatte ſich der Kämmerer, nachdem er verſchiedene Spaziergänge auf den Pachthöfen umher gemacht, Abends wie gewöhnlich in Johanna's Wohnzimmer in einem Lehnſtuhle niederge⸗ laſſen. Es war ein ſchöner Abend. Ein herrlicher Jas⸗ minduft ſtrömte durch die vffenen Fenſter herein. Die Vögel zwitſcherten in den Eichen draußen, und aus der Ferne hörte man das Brauſen des Waſſerfalls. Ein Gefühl der Zufriedenheit überkam den Kämmerer. Es iſt nicht leicht, die Gedanken auszumitteln, die ihn be⸗ ſchäftigten; aber ſo viel iſt ſicher, daß es ihm ungemein wohlgefiel auf ſeinem Platze, als ſeine Blicke auf der
einnehmenden Wirthin ruhten, die ſich einige wenige Schritte von ſeinem Stuhl auf den Sopha geſetzt hatte.
„Meine beſte Madame,“ ſagte er mit ungewöhn⸗ lich weicher Stimme,„ich wundere mich nicht, daß Sie das Land lieben. Einen Abend wie dieſen hier hat keine Stadt zu bieten. Auch ich..
„Sagen Sie das nicht.. man kann auch in den Städten glücklich ſein,“ unterbrach ihn Johanna. Wirklich?— Sie könnten ſich alſo möglicher Weiſe bewegen laſſen, dieſe gemüthliche Wohnung mit einer andern zu vertauſchen, z. B..
„Z. B. mit dem Grabe. Ja wohl, ich kann nicht
leugnen, daß ich mich nach dieſem Zufluchtsorte ſehne.


