Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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Sturmes. Sie beſuchte die Regionen, wo die Sterne bei Tag ausruhen, wie Schönheiten nach einem nächtlichen Feſte. Und die Sonne war eine Kugel von brennendem Gold; aber jeder Strahl, der hinabfiel, verwandelte ſich in eine Blume am Buſen der Erde. Manchmal lauſchte ſie hinwiederum aufmerkſam auf die Geſänge der Vögel, aber dieſe Geſänge ſchmeichelten nicht bloß ihrem Ohr mit meloviſchen Tönen, ſie drangen auch tief in ihre Seele und erweckten darin einen harmoniſchen Wieder⸗ klang der Aeolsharfe, die ihr Herz in ſich ſchloß, einer Aeolsharfe, deren Saiten Gefühle waren. Die Töne wurden eine Sprache. Dieſe Sprache war ohne Worte, ohne Sünde, ohne Lüge, voll von Liebe und Freude. Sie glaubte die Meinung des beflügelten Sängers zu verſtehen. Sie labte ſein Leben, er freute ſich an ſei⸗ nem Glücke. Klagte er einmal, ſo bekümmerte ſie ſich mit ihm, und in der Freude wie im Leid ahnte ſie mehr als ſie begriff. In andern Augenblicken dagegen war ihre ganze Aufmerkſamkeit von dem brauſenden Waſſer⸗ fall gefeſſelt, der von allen Seiten ihre kleine Inſel umgab. Der wilde Streit, das Spiel des Schaumes, das Gemurmel aus der Tiefe riß ihre Phantaſie hin und zog ſie in eine neue myſtiſche und ſagenreiche Wun⸗ derwelt. Sie bebte, ſie zitterte und hielt ſich mit all ihrer Kraft feſt an dem Steinblock, auf dem ſie ruhte. Je mehr ſie ihre Blicke auf vas ſtrömende Waſſer hef⸗ tete, um ſo mehr wurde ſie von ihrer Einbildung be⸗ thört. Es däuchte ſie, als ſei ſie ſelbſt es, die von ihrer Klippe getragen über die ſchäumenden Abgründe hinwegeile. Die Wogen winkten mit ſchneeweißen Hän⸗ den. Der Waſſernir ſchlug ſeine Harfe. Tauſend Stim⸗ men aus der Tiefe lockten ſie mit wunderbarer Macht nach den Muſchelgrotten unten. Aber über all dieſem Gemurmel hörte ſie ernſte, feierliche Orgeltöne. In ih⸗ nen ſprach eine göttliche Warnung, in ihnen verrieth ſich eine ſeufzende Klage vom Himmel über den Un⸗ glauben der Menſchen. Auch in der Blume mit ihrem